Pressestimmen
Hausherr Herbert Föttinger wollte ja eigentlich seiner Maxime "Klassiker haben an der Josefstadt nie besonderen Anklang gefunden" treu bleiben und keine typischen Klassiker mehr auf die Bühne bringen. Vielmehr setzt der Josefstadt-Visionär seit Jahren auf filmische Stoffe, alt wie neu, was vermehrt junges Publikum in das altehrwürdige Haus an der Josefstädter Straße zieht. Nun ließ der Josefstadt-Direktor aber aufgrund der aufregenden Inszenierungsidee Krämers dennoch Schillers "Maria Stuart" - mit einem Mini-Ensemble aus sechs Personen - umsetzen. Und das war gut so. Bei Krämers "Stuart" geht es, wie bei Schiller, nicht um die historischen Persönlichkeiten, sondern vielmehr um den Konflikt zweier großer Theaterdiven. Vorweg sei eines gesagt: Nach der gestrigen Premiere sollte man das Stück eigentlich umtiteln auf "Queen Elizabeth". Denn Sandra Cervik stand an diesem Abend durch ihre großartige darstellerische Leistung definitiv im Vordergrund. So gab sie eine durchaus verletzliche, gequälte, verunsicherte wie auch humorvolle Regentin zum Besten. Ganz besonders stimmig ist der Beginn, als Cervik alias Elizabeth beinahe einen Hauch von Marilyn Monroe versprüht. Dabei geht sie so sexy wie zerbrechlich von der Bühne ab. Fast wirkt die ganze Szenerie wie aus einem Hitchcock-Klassiker. Stimmig die Kostüme von Isabel Glathar, stimmig die Vintage-Musik aus dem Plattenspieler. Überhaupt ist das ästhetische Bühnenbild von Herbert Schäfer sehr schön anzusehen. Die Bilder haben ihre Wirkung. Und plötzlich, ehe man sich versieht, kippt das ganze Spiel ein wenig ins Melodramatische. Die anfangs heitere Gelassenheit springt unvermittelt in nervenzerreissende Anspannung um. Weg ist der Monroe-Flair, jetzt sieht man Elizabeth, wie sie wirklich ist. Eine machthungrige Monarchin, die über Leichen geht und stolz ihre entblösten "Korsett-Brüste" zur Schau stellt (Ein echter Hingucker). Ihrer ebenbürtig ist allerhöchstens Dudley, Graf von Leicester (sensationell: Tonio Arango).
(heute.at)
In Maria Stuart, einer Großtat der Weimarer Klassik, entsinnt man sich mit Schauern der Angstlust. In ihr krachen zwei Königinnen – Maria und Gegenspielerin Elisabeth I. von England – schmerzhaft aneinander. Schiller verpackt in den Zweikampf nicht nur den kalkulierten Gegensatz von kalter Urteilskraft und betörender Sinnlichkeit. Zwei stolze Frauen, auf der Höhe ihrer erotischen Mittel stehend, nehmen politisch aneinander Maß. Sandra Cervik spricht über den Einsatz ihrer königlichen Virginität ("mein höchstes Gut") als Einsatz im Ränkespiel um Lust und Macht. Diese hinreißende Elisabeth zeigt sich vor dem Spiegel selbst die Zähne – und spricht dabei aus Spaß wie eine Döblinger Kanzleiratswitwe. Cervik sorgt als Elisabeth für Beklemmungsmomente als Eiskönigin. Maria Stuarts (Elisabeth Rath) großer Auftritt, eine Art Best-of ihrer erhabensten Verse.
(Der Standard)
Günter Krämer hat in seiner Inszenierung die Zahl der handelnden Personen auf ein Drittel reduziert. Wenn die hohen Frauen das (fiktive) Aufeinandertreffen im Laub des Parks von Fotheringhay zelebrieren, beginnt ein Zickenkrieg wie bei Vorstadtweibern.
(Die Presse)
Schiller schuf zwei großartige Frauengestalten: Maria in überirdischer Schönheit zur Märtyrerin geläutert, Elisabeth als verdorrte, hasserfüllte Gefangene ihres Amts. Elisabeth Rath, die große Tragödin, kehrt als Maria Stuart auf die Bühne zurück. Sandra Cervik kämpft als Elisabeth imponierend gegen das ihr zugedachte Ungemach.
(Kronen Zeitung)
Vor dem Vorhang ist hinter dem Vorhang. Lautsprecherdurchsagen der Abendregie: "Beginn in fünf Minuten". Ein Schauspieler in Polizeimontur fährt mit dem Staubsauger die Schaurampe ab. Klares Signal: Hier ist Klassikerentstaubung angesagt! Im Trauerspiel "Maria Stuart" führt Schiller, zum Weinen schön, die in den "Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen" erörterte Dialektik vor: von Notwendigkeit und Freiheit, Sinnlichkeit und Vernunft, Einbildungskraft und Erkenntnisvermögen, Willkür und Gesetz, Natur und Kultur. Dieses zarte jambische Gespinst, eine symmetrische Konstruktion mit dem Zusammentreffen der Königinnen im Mittelakt, verträgt sanfte Kürzungen. Eine aufgedonnerte Zicke setzt sich vor den Schminktisch und probiert die Stimme aus: Bühnen- und Wiener Vorstadtdeutsch. Florian Carove, urkomisch im Tigermantel wie ein Zuhälter, stürzt mit einem Sektkübel in die Garderobe - oder ist schon Vorstellung?
(Wiener Zeitung)
Regisseur Günter Krämer ist ans Theater in der Josefstadt gekommen, um das berühmte Drama "Maria Stuart" auf den Kopf zu stellen. Er zeigt einen gewagten Schiller-Remix mit starken Leistungen von Elisabeth Rath und Sandra Cervik.
(APA)