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Saison 2026/2027

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  • Ein Lachen, eine Lücke: Paul Morgan kehrt auf die Bühne zurück

    Ein Haus liegt zwischen Paul Morgans Geburt und seiner Rückkehr auf die Bühne. In der Wiener Rotenturmstraße 22 kommt er 1886 als Georg Paul Morgenstern zur Welt. Im Nachbarhaus, den heutigen Kammerspielen, lässt Teresa Präauer ihn in „Guten Abend, Herr Morgan! Eine Revue“ als Wiedergänger auftreten. Ein Künstler kehrt an einen Ort zurück, der ihm vertraut sein könnte – und begegnet einem Publikum, das seinen Namen erst wieder kennenlernen muss.

    Dabei ist etwas von ihm längst im kollektiven Gedächtnis geblieben. „Ja, wo laufen sie denn?“ aus den mit Wilhelm Bendow aufgenommenen „Rennbahngesprächen“ lebt durch Loriot weiter. Morgans Name ist hinter dem berühmten Satz beinahe verschwunden. Präauers Revue gibt ihm wieder eine Stimme.

    Ein Leben im schnellen Wechsel

    Morgan gehört zu jenen Künstlern, deren Laufbahn sich kaum in einer Berufsbezeichnung fassen lässt. Er spielt Theater, schreibt, dreht Filme, nimmt Schallplatten auf und steht als Conférencier vor dem Publikum. Von der Josefstadt führt sein Weg nach Czernowitz, in den Wiener Simpl, nach Berlin und schließlich nach Hollywood.

    In Berlin gründet er 1924 mit Kurt Robitschek das Kabarett der Komiker. Hier treffen Kabarett, Varieté und Theater aufeinander. Morgan spielt in großen Revuen, steht mit wechselnden Partnern auf der Bühne und wird zu einer prägenden Figur des Berliner Unterhaltungslebens.

    Seine Selbstbeschreibung fällt weniger feierlich aus. In einem 1928 veröffentlichten Nachruf auf sich selbst behauptet er, stets „Gold in der Kehle, Sonne im Herzen und Butter auf dem Kopf“ gehabt zu haben. Er lässt sich darin mit hundert Jahren auf offener Bühne sterben. Das Publikum hält sein Umsinken für eine Pointe und applaudiert.

    Dieser erfundene Nachruf zeigt seinen Witz: Selbst das eigene Ende wird zur Gelegenheit, über Theaterbetrieb, Geldnot und die unersättlichen Ansprüche seiner Arbeitgeber zu spotten.

    Sternchen fragt nach

    Präauer erzählt dieses bewegte Leben in kurzen Szenen und aufblitzenden Bildern. Nach jedem Bild wird abgeblendet. Die Autorin beschreibt die Form als einen „Diavortrag“: Erinnerungen erscheinen, verschwinden und lassen Zwischenräume offen.

    An Morgans Seite steht Sternchen. Sie ist Starlet, Fußnote und Partnerin der Doppelconférence zugleich. Als „Hinweis am unteren Rand der Seite“ stellt sie sich vor. Das ist komisch – und eine treffende Beschreibung ihrer Aufgabe. Sternchen fragt nach, erklärt und stellt Verbindungen zwischen damals und heute her.

    Ihr Verhältnis zu Morgan erinnert an Liesl Karlstadt und Karl Valentin. Das Gespräch trägt den Abend: Ein Satz wird aufgenommen, missverstanden, gewendet. Was wie eine Abschweifung aussieht, kann plötzlich mitten ins Thema führen.

    Präauers Spielhinweise lassen dabei unterschiedliche Zugänge zu. Die Darstellerinnen und Darsteller können sich in ihre Figuren einfühlen: Sie spielen über 30 Rollen, teilweise nur mit wenigen Sekunden für Umzüge. Gerade bei historischen Witzen lohnt dieses genaue Hinhören: Worüber wird gelacht? Wer spricht? Und wer wird zum Gegenstand des Gelächters?

    Wenn der Witz gefährlich wird

    Morgan kennt die Macht solcher Zuschreibungen früh. In Wien wird er als Schauspieler auf jüdische Rollen festgelegt. 1918 berichtet eine Zeitung, er spiele bereits seinen „fünfzigsten Juden“. Für sein Berliner Engagement lässt er vertraglich festhalten, dass er solche Rollen nicht übernehmen müsse.

    Auch im Kabarett bleibt jüdischer Humor umstritten. Morgan und Robitschek verteidigen ihn; andere sehen im Bühnendialekt die Gefahr, antisemitische Klischees zu bestätigen. Der Witz bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Selbstbehauptung, Vertrautheit und Herabsetzung.

    Zugleich macht Morgan den Nationalsozialismus früh zum Gegenstand seiner Satire. Die KadeKo-Revue „Quo vadis?“ parodiert den Hitlerputsch. Über 300 Mal gespielt, bis 1932 noch!1926 ahmt er in einer Zeitungsparodie die Hetze des „Völkischen Beobachters“ nach. Aus heutiger Perspektive liegt über diesen Texten ein erschreckendes Wissen: Die Gewalt, die hier noch als groteske Drohung erscheint, wird Wirklichkeit.

    1933 stürmen SA-Männer eine Vorstellung im Kabarett der Komiker. Robitschek wird abgesetzt, das Haus gleichgeschaltet. Morgan muss dort die Hakenkreuzfahne hissen. Im Mai verlässt er mit seiner Frau Josa Berlin.

    Wien und die Hoffnung zu bleiben

    Zurück in Wien arbeitet Morgan weiter: an den Kammerspielen, im Simpl, im Rundfunk, bei Gastspielen und Wohltätigkeitsabenden. 1936 steht er in „Axel an der Himmelstür“ auf der Bühne, an dessen Text er mitgeschrieben hat. Der Erfolg macht Zarah Leander zum Star.

    Doch seine Möglichkeiten werden enger. Anfang 1938 soll Morgan gesagt haben: „Ich bin Österreicher. Ich will nicht weg. Ich habe ja auch gar nichts getan.“ 

    Der Journalist und Mithäftling Bruno Heilig berichtet auch von den Kabarettvorstellungen in Dachau. Morgan, Fritz Grünbaum und andere spielen für die Gefangenen. Für eine oder zwei Stunden, schreibt Heilig, sei man „fast zu Hause“ gewesen. In diesem Satz lässt sich ermessen, was ihre Kunst den Menschen geben konnte.

    Die Abwesenheit bleibt auf der Bühne

    Präauers Revue endet vor Morgans Ermordung. Bereits nach der Heimreise aus Hollywood 1931 verschwindet Paul Morgan als Bühnenfigur. Die anderen suchen ihn und erzählen weiter. Sein erzwungenes Verschwinden wird als Abwesenheit erfahrbar: als eine Lücke, die sich nicht schließen lässt.

    Das Wissen um sein Schicksal begleitet den Humor des Abends. Es verändert, wie wir seine Geschichten hören – die Selbstironie, das Abschweifen, die Lust an einer überraschenden Wendung.

    Fritz Grünbaum schrieb über seinen Freund, dessen Auftritte hätten ihn immer wieder zum Lachen und gewöhnlich auch zum Nachdenken gebracht. Morgans „melancholische Heiterkeit“ komme aus dem Verstand und aus dem Herzen.

    Vielleicht liegt darin der schönste Ausgangspunkt für seine Rückkehr in die Rotenturmstraße: ihm zuzuhören, über ihn zu lachen und wahrzunehmen, was mit seiner Stimme verloren ging.

  • Die Josefstadt zu Gast in Wuzhen

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  • Autorinnen ins Licht!

  • Guten Abend, Herr Morgan! Ein Gespräch mit Teresa Präauer

  • Das Mädl aus der Vorstadt - Eine erzählende Zusammenfassung

  • Zwei große Egos und eine letzte Begegnung

  • Lucien Haug im Interview zu "Romeo und Julia"

  • Regisseurin Ildikó Gáspár im JST-Interview über die "Komödie der Verführung"

Premieren

Theater in der Josefstadt

Kammerspiele der Josefstadt

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Letzte Runde (Last Call)
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SOPHIA oder Das Ende der Humanisten
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Peter Danish

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