Theater in der Josefstadt

Eine blassblaue Frauen­schrift

von Franz Werfel

Premiere


Besetzung

Leonidas, jung
Nils Arztmann
Leonidas, 30 Jahre
Nikolai Gemel
Leonidas, 50 Jahre
Martin Niedermair
Vera Wormser
Silvia Meisterle

Stab

Regie
Oliver Reese
Bühnenbild
Hansjörg Hartung
Kostüme
Elina Schnizler
Musik
Jörg Gollasch
Dramaturgie
Elisabeth Geyer
Licht
Manfred Grohs

In einer Bühnenfassung von Oliver Reese

Wien 1936, ein erfolgreicher Mann auf der Höhe seiner beruflichen und gesellschaftlichen Karriere. Eine Geldheirat verhalf ihm einst zu seinem Aufstieg in die höchsten Kreise der Wiener Gesellschaft. Jetzt ist er etabliert, einflussreich und souverän.

Doch als er am Morgen seines 50. Geburtstages einen Brief in blassblauer Frauenschrift erhält, gerät seine sorgfältig geordnete Existenz in eine Krise. Erinnerungen an eine große Liebe brechen auf, verdrängte Entscheidungen und Zweifel an seiner bisherigen Haltung zum Leben kommen zum Vorschein und mit ihnen die Frage, ob er zugunsten eines bürgerlichen Lebens zu wenig riskiert hat. Zwischen Eleganz und Abgrund entfaltet sich die Geschichte eines unangenehmen Helden: eines Mannes, der gelernt hat, sich im Takt der höheren Gesellschaft zu bewegen wie in einem Walzer, leichtfüßig, charmant – vielleicht zu leicht.

Franz Werfel schrieb „Eine blassblaue Frauenschrift“ 1940 im Exil als scharfsinnigen Rückblick auf die Gesellschaft der 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts, kurz vor ihrem moralischen Kollaps. Seine Erzählung verbindet intime Selbstprüfung mit dem politischen Klima des Nationalsozialismus: Karriere und Mitläufertum, Anpassung und persönlicher Vorteil geraten in ein Ungleichgewicht, das jederzeit zu kippen droht. Regisseur und Intendant des Berliner Ensembles Oliver Reese hat Werfels Text für die Bühne dramatisiert und seziert dabei das Spannungsverhältnis zwischen äußerem Glanz und innerer Verunsicherung in einem Lebensentwurf, der stabiler erscheint, als er tatsächlich ist.