Besuch bei dem Vater ist ein modernes bürgerliches Drama, das mit fast mythischer Wucht den Vater-Sohn-Konflikt in Szene setzt und dabei ganz beiläufig im Stil Tschechows beginnt. Heinrich, Anglist, wohnt mit seiner Frau Edith und Tochter Isabel auf dem Lande. Man führt ein offenes Haus, so sind auch Marietta, Ediths Tochter aus erster Ehe sowie Ediths Nichte Sonja, zu Gast. Im Zentrum allerdings thront Heinrich, dessen Charme aufblüht, wenn er mit Sonja auf Entenjagd geht. Plötzlich taucht ein junger Mann auf: Peter, Heinrichs Sohn, der seinen Vater besucht, den er in seinem Leben noch nie gesehen hat.
Aus geständnishaften Kurzszenen und Dialogsequenzen komponiert Schimmelpfennig eine lockere Folge, die sich inhaltlich immer mehr verdichtet. Heinrichs Machtrefugium, das er Peter gegenüber mit dem Satz "Hier sind nur Frauen! Nur Frauen und ich!" definiert hat, beginnt zu wanken.
Roland Schimmelpfennig ist der zurzeit meistgespielte Gegenwartsdramatiker Deutschlands. Seine Stücke werden in über 40 Ländern aufgeführt. Schimmelpfennig wurde 1967 in Göttingen geboren und ging nach dem Abitur als Journalist nach Istanbul. Nach einem Regiestudium an der Otto-Falckenberg-Schule wurde er als Regieassistent an die Münchener Kammerspiele engagiert und wurde später Mitarbeiter der Künstlerischen Leitung. Außerdem war er Dramaturg an der Berliner Schaubühne. Seit 1996 arbeitet Schimmelpfennig als freier Autor. Er erhielt mehrere Preise, darunter den Else-Lasker-Schüler-Preis, Einladungen zu den Mülheimer Theatertagen, den Nestroy-Theaterpreis.
Aufführungen seiner Stücke u.a.: Münchener Kammerspiele, Schaubühne am Lehniner Platz, Staatstheater Stuttgart, Schauspielhaus Zürich, Burgtheater, Akademietheater, Schauspielhaus Bochum, Deutsches Theater Berlin, Thalia Theater und Schauspielhaus Hamburg.