Das Sparschwein, dies häuslich banale Ding-Symbol beschirmt die Existenz einer Gruppe von honorigen Provinzbürgern: ihre auf kleine, private Formen begrenzte Geldakkumulation mit dem Ziel größtmöglicher finanzieller Sicherheit. Allerdings leben diese Herrschaften in Wirklichkeit keineswegs vom Spargroschen - sie sind allesamt recht wohlhabend, beziehen auskömmliche Renten aus Aktien oder Staatsanleihen, aus verpachteten Landgütern usw.
Aber das Abenteuer der Komödie wird doch ausschließlich von diesem Sonderfonds, dem Sparschwein-Kapital, das sich aus Abgaben beim Kartenspiel angesammelt hat, in Bewegung gesetzt. Eine Vergnügungsreise nach Paris, in die Hauptstadt der Welt, wird mit diesen Mitteln bestritten - und sie endet mit der Schreckensvision eines finanziellen Ruins von katastrophalen Ausmaßen...
Held des Sparschweins ist nicht eine Einzelperson, sondern eine Gruppe - die Bouillotte-Spieler aus La Ferté-sous-Jouarre. Sechs Personen, ein Teil davon verwandtschaftlich, allesamt durch jahrzehntelanges Beisammensein untereinander verbunden. Auf der Grundlage ihrer heiligen, unantastbaren Borniertheit entwickelten sie eine bewundernswerte Willensstärke und eine große Leidenschaftlichkeit; inmitten der nichtigsten Zänkereien ereifern sie sich mit pathetischem Zorn, und wenn ihre trivialen Sehnsüchte fehlschlagen, so erleiden sie es mit tragödienhaftem Schmerz.
(Botho Strauß)