Die Sträußelsäle

Hier finden Matineen, Literatursalons, das JosefStadtgespräch und Präsentationen statt.

Die Sträußelsäle sind aber auch das Pausenfoyer des Theaters in der Josefstadt und ein beliebter Treffpunkt vor der Vorstellung und in der Pause. Das Buffet in den Sträußelsälen hat eine Stunde vor jeder Vorstellung für Sie geöffnet.

Die Sträußelsäle verfügen bei Veranstaltungen über 152 Sitzplätze.

Vermietung

Die Sträußelsäle eignen sich wunderbar für Präsentationen, Pressegespräche, Kundenveranstaltungen und Empfänge vor oder nach einer Vorstellung.
Für Anfragen zu Vermietungen steht Ihnen Billy Vavken, Tel. +43 1 - 42700-208 gerne zur Verfügung.

Die Geschichte der Sträußelsäle

Das Theater in der Josefstadt hatte das kaiserliche Privileg, maskierte Bälle zu veranstalten. Erst Wolfgang Reischl, der ab 1816 Besitzer des Theaters war, machte von diesem Recht Gebracht. Ihm gehörte nämlich auch die an das Theater grenzende "Bey den goldenen Straußen", eine schon lange beliebte Wirtschaft. Um nicht nur die Umsätze seines Gastbetriebs weiter zu heben, sondern auch den Theaterbesuch zu verbessern, erbaute er 1834 im hinteren Trakt seines Besitzes, anschließend an das Theater, die sogenannten "Sträußelsäle", die am 1. Juni 1834 mit einem großen Ball eröffnet wurden, bei dem Strauß Vater dirigierte.

Bald zählten die Sträußelsäle zu den angesehensten und beliebtesten Unterhaltungsstätten. Die hier stattfindenden Freitagsreunionen und Sonntagsbälle zogen viel Publikum an. So berichtete man z.B. vom "Zauberschleierball", bei dem Joseph Lanner das Orchester leitete und bei dem sich mehr als 600 geladene Gäste amüsierten. Die Sträußelsäle waren 1836 Vorreiter auf dem Gebiet der modernen Gasbeleuchtung. Damals eine Sensation, denn das Rohrnetz der englischen Gasgesellschaft in Wien wurde erst acht Jahre später vollendet.

Im Revolutionsjahr 1848 waren die Sträußelsäle Sitz des kurzlebig "Ersten Allgemeinen Arbeitervereines". Das Programm des Vereins kennzeichnet die damalige Lage der Arbeiterschaft: Belehrung durch leicht fassliche Vorträge, Förderung der Bildung durch eine Bibliothek, Förderung der Gesellschaft durch einen Gesangsverein und Deklamationen.

Am 30. August und am 2. September sprach Karl Marx auf Einladung des "Arbeitervereins" in den Sträußelsälen. Er berichtete vor mehr als tausend Zuhörern über den Verlauf der Revolution in Deutschland und in Frankreich und legte seine Gedanken über Lohnarbeiter und Ausbeutung im Kapitalismus dar.

Nach etwa zwei Jahrzehnten kamen die Sträußelsäle immer mehr als "Tummelstätte der Demimonde" in Verruf und mussten schließlich in den 1850er Jahren geschlossen werden. Zu einer neuerlichen Blütezeit der Sträußelsäle kam es im Jahr der Wiener Weltausstellung (1873). Doch als nach dem Ringtheaterbrand strenge Sicherheitsmaßregeln für Veranstaltungen getroffen wurden, verödeten sie immer mehr, unter dem Namen "Josefstädter Orpheum" nutze man sie für sogenannte Singspielhallen- und Gymnastikproduktionen.

1885 wurden sie schließlich für alle Veranstaltungen gesperrt und verkümmerten als Dekorationsdepot. Erst im Jahr 1924 konnte Max Reinhardt durch Carl Witzmann auch die Sträußelsäle glanzvoll erneuern lassen. Der Raum wurde mit dem Theater und dem anliegenden Restaurant "Weißer Hahn" verbunden und lud mit Tischen und Stühlen nach der Vorstellung zum Souper ein; durch Rollbalken konnte man die Säle vom Theater trennen.

Anlässlich der Wiedereröffnung schrieb Franz Theodor Csokor: "Der Raum trägt das Stigma jenes Freimaurerstils, der unter dem Einfluß der vom Josefinismus begünstigen Loge besonders im Dekorationswesen der Bühne deutlich wurde. Aus solchem Geiste ist Mozarts "Zauberflöte" geboren, und wie Sarastros Halle muten auch die feierlichen Säulen mit ihren halb ägyptisierenden, halb gräcisierenden Kapitellen an, die den Raum in drei kleiner Säle teilen. Eine von ihnen hat der Architekt in einem Gemach aus dem Dogenpalast verwandelt, alt - venezianische Leuchter, Spiegel und Türen zieren die Wände. Die Decke aber ist auch aus Venedig hergeschafft: schweres Barock mit Malereien des 18. Jahrhunderts."

1954 wurden die Sträußelsäle von Otto Niedermoser, dem Bühnenbildner des Hauses, erneut umgebaut. Die im Krieg beschädigte, gewölbte Holzdecke wurde durch eine tiefere gesetzte Decke aus Stahlbeton ersetzt, auch die alten hölzernen Säulen wurden gegen ummantelte Stahlsäulen ausgewechselt. Eine Kassettendecke sollte durch die Verwendung von Dämmplatten vor allem die ungünstige Schallwirkung des Raumes verbessern.

In den Nachkriegsjahren fand hier der Hausball der Schauspieler des Theaters in der Josefstadt statt. 1957 wurden 400 Karten verkauft, der Erlös wurde für den Wohlfahrtsfonds der Mitglieder des Theaters verwendet. Mitte der 60er Jahre wurde wegen der starken Inanspruchnahme der historischen Parkettböden dem Tanz Einhalt geboten.

1983 brachte eine neuerliche Renovierung eine Wiederherstellung der ursprünglichen Wandgliederung und des Ornamentschmucks nach gelungener Freilegung der alten Originale, sowie dem Versuch, mit dem "Rasumofsky-Grün" die Biedermeierfarbe wiederherzustellen.

2007 wurden die Sträußelsäle im Zuge der Generalrenovierung des Theaters in der Josefstadt sanft erneuert. Auf ihrem Dach wurde die Probebühne errichtet.
(Aus "Das Theater in der Josefstadt" von Christiane Huemer-Strobele und Katharina Schuster, Picus Verlag 2011)

Historisches

1834 Vom Besitzer des Theaters in der Josefstadt, Wolfgang Reischel, im hinteren Trakt seines Gasthauses "Zum goldenen Straußen" angrenzend an das Theater als "Sträußelsäle" erbaut. Eröffnung am 1. Juni mit einem großen Ball, bei dem Johann Strauß Vater dirigierte, der schon vorher "Josephstädter Tänze" geschrieben hatte.
Es wird bald darauf eines der beliebtesten Lokale, dessen Freitagsreunionen und Sonntagsbälle viel Publikum anzogen, neben Strauß und vielen anderen Walzerzelebritäten konzertiert häufig auch Josef Lanner.

1850 Erstmals Schließung des Vergnügungslokals wegen "zweifelhaften Publikums".

1873 Zur Wiener Weltausstellung nochmals großer Aufschwung.

1884 Nun "Josephstädter Orpheum" genannt, werden die Räume als Singspielhallen und für Gymnastikproduktionen verwendet und nach neuerlichem Niedergang nur mehr als Kulissen- und Requisitendepot verwendet.

1924 Reinhardt lässt durch Carl Witzmann auch die Sträußelsäle glanzvoll erneuern, der Raum ist mit dem Theater und dem "Straußen"-Nachfolge-Restaurant "Weißer Hahn" verbunden und lädt mit Tischen und Stühlen nach der Vorstellung zum Souper ein.

1983 Wiederherstellung der ursprünglichen Wandgliederung - nach Vazquez' Plan - und Anbringung des ursprünglichen Ornamentschmucks nach gelungener Freilegung der alten Originale; Versuch, mit dem "Rasumofsky-Grün" die Biedermeierfarbe wiederzufinden.

2007 Renovierung der Sträußelsäle im Zuge der Generalrenovierung in der Josefstadt.

Fotos

Sitzplan