Das Ensemble – stellvertretend seien hier Silvia Meisterle als Editha/Mimi Pastré, Pauline Knof als Etelka oder Matthias Franz Stein als Konsul Grauermann genannt – spielt wirklich ausgezeichnet. Der Abend hat seine Stärken im Atmosphärischen.
(KURIER)
Janusz Kica, Direktor Föttingers Mann fürs klassisch Edle, hat inszeniert. Roman Schmelzer beeindruckt als Major Laska. Swintha Gersthofer ist wunderbar als vom Leben enttäuschte Asta, die Schwester Renés, den Martin Vischer auch sprachlich facettenreich gestaltet. Michael König spielt den Patriarchen mit Grandezza. Dominic Oley ist köstlich als Rittmeister Eulenfeld. Silvia Meisterle gefällt als Kokette. Sehenswert!
(Die Presse)
Was Nicolaus Hagg bei der Beschäftigung mit der "Strudlhofstiege" gelungen ist, ist die Verdichtung der Verdichtung. Er macht aus der Vielzahl der raffiniert ineinander verflochtenen, von Zeitsprüngen durchbrochenen, oftmals schwer zu überblickenden Erzählsträngen ein konzentriertes Kammerspiel mit etwa einem Dutzend Charakteren, Miniaturen, die er bis ins Detail ausgearbeitet hat.
In der wie stets sensiblen, zartfingrigen Regie von Janusz Kica gestaltet Ulrich Reinthaller einen Melzer in Stasis. Alles an diesem Mann ist erstarrt, versteinert, reglos geworden. Zum Zwiegespräch stellt ihm Hagg den gewesenen Major Laska zur Seite, Roman Schmelzer als im Ersten Weltkrieg gefallener Freund, der Figuren wie Publikum als (guter) Geist durch die Handlung begleitet und Erinnerungen auffrischt. René von Stangeler, Doderers Alter Ego, den Hausneuzugang Martin Vischer mit einer Fahrigkeit, fast Verwirrtheit ausstattet, die sein Ende schon vorwegnimmt. Seinen ihn beständig demütigenden Vater, Oberbaurat von Stangeler, gibt Michael König mit der ganzen Dominanz eines Patriarchen. Als Etelka von Stangeler lechzt Pauline Knof gekonnt nach Freiheit und Freizügigkeit, bleibt dabei aber so gutbürgerlich, dass man ihr die Schwesternschaft zu Swintha Gersthofers Asta deutlich ansieht. Igor Kabus versucht als Etelkas Geliebter, Robby Fraunholzer mit deren Eskapaden mitzuhalten. Matthias Franz Stein trägt als Etelkas Ehemann, Konsul Grauermann, sein Schicksal mit Würde und ab und an trockenem Humor. Alma Hasun ist eine sympathisch zupackende Paula Pichler, Marlene Hauser eine zu Herzen gehende Thea. Bleibt das Dreigestirn der Leicht- und Schnelllebigkeit, und damit die drei herausragenden Leistungen dieser Aufführung: Silvia Meisterle, die es meisterhaft versteht, den "Duplizitätsgören", der "bösen" Editha und der "braven" Mimi Pastré Kontur zu verleihen, und Dominic Oley und Alexander von Absenger, die mehr oder minder schlitzohrige Salonlöwen Rittmeister von Eulenfeld und Teddy von Honnegger. Die sinistren sind eben die dankbarsten Rollen und ihnen hat Hagg die besten von Doderers distanziert-ironischen Sätzen mundgerecht aufbereitet, vieles klingt da wie für diese Tage geschrieben, Seitenhiebe auf Politik und Wirtschaftsinteressen, in geschliffener Sprache und voll Wortwitz.
Derart wird "Die Strudlhofstiege" in der belesenen Bearbeitung von Nicolaus Hagg und der behutsamen Inszenierung von Janusz Kica zur Österreich-Elegie, zur Antenne für eine Tanz-auf-dem-Vulkan-Stimmung, die schon wieder um sich greift. Mit ihrer Saisonauftakt-Premiere beweist die Josefstadt jedenfalls, dass sie gewillt ist, ihr striktes Eintreten für Humanismus und Empathie mit dem Programm 2019/20 fortzusetzen.
(Mottingers Meinung)
Die Josefstadt verdichtet den labyrinthisch verästelten Kosmos des Romans zu einem finsteren Kammerspiel mit starken Schauspielern, eindrucksvoll. Der Bearbeiter Nikolaus Hagg konzentriert das Geschehen auf zwei Protagonisten: Melzer (deprimiert: Ulrich Reinthaller) und René von Stangeler (überragend: Martin Vischer). Regisseur Janusz Kica stellt allerhand Sehenswertes auf die schwarze, leere Bühne: Melzer ruft als traumatisierter Überlebender diesfalls zweier Weltkriege die Bilder der Toten auf. Unter ihnen beeindrucken am stärksten Pauline Knof, Michael König und Matthias Franz Stein.
(Kronen Zeitung)