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Kammerspiele der Josefstadt
Premiere: 26.03.2015

Bob Larbey

Schon wieder Sonntag

ca. 2 Stunden, 25 Minuten, eine Pause

Deutsch von Ursula Lyn und Ayla Albert

Cooper und sein Freund Aylott leben im Altersheim. Während Cooper seiner körperlichen Hinfälligkeit mit sarkastischem Witz begegnet, beobachtet der sensible Aylott die unterschiedlichen Erscheinungen des Alters mit ängstlichem Staunen. Man vertreibt sich die Zeit mit Schachpartien, kleinen Flirts mit der hübschen Krankenschwester Wilson und Streitgesprächen mit der resoluten Reinigungskraft.
Jeden ersten Sonntag im Monat erscheint Coopers Tochter Julia mit ihrem Ehemann zum pflichtgemäßen Höflichkeitsbesuch. Alles scheint wie immer und doch verändert sich etwas.

Seit seiner Uraufführung im Jahre 1985 hat Schon wieder Sonntag bereits 40 Premieren erlebt. Im Theater in der Josefstadt feierte das Stück seine Premiere 1995 mit Helmuth Lohner in der Rolle des Cooper.
Anlässlich seines 85. Geburtstags schlüpft nun Otto Schenk in den Kammerspielen der Josefstadt in diese Rolle, während sein langjähriger Weggefährte Helmuth Lohner ans Regiepult wechselt.

COOPER Die Panzer werden bald anrollen. Jetzt sind sie in der Küche, werden geladen für die erste Offensive des Tages. Treibstoff an Bord – Tee, Kaffee, Orangensaft. Munition an Bord – Porridge, Cornflakes, Eier, Schinken, Toast. Die Besatzung steht bereit, geschniegelt und gebügelt. Dann ein Signal vom Divisionskommandeur, Mrs. Simmons, und sie rumpeln hinaus in die Korridore, bahnen sich mit Geklirr und Geklapper ihren Weg durch die morgendliche Stille. Es gibt kaum Widerstand. Hier und da ein erboster Schrei: "Ich will kein Frühstück!" Völlig nutzlos – das Frühstück wird auf jeden Fall hingestellt. Letzten Sommer haben wir ein Fluchtkomitee gegründet, Aylott und ich. Die Idee war, in der Küche eine riesige Porridgeexplosion zu verursachen, so dass wir uns beide, als Nonnen verkleidet, in die Schweiz absetzen könnten.
(Auszug aus Schon wieder Sonntag)

Echtes Schauspielertheater
Helmuth Lohner inszeniert Bob Larbeys Komödie "Schon wieder Sonntag" federleicht und seelenrührend. Eine Geschichte über die vorletzten Fragen, Freundschaft und den Willen zum Weiterleben im Altersheim.
Vor zehn Jahren war Helmuth Lohner der sarkastische Cooper in Bob Larbeys Altersheim-Komödie "Schon wieder Sonntag". Otto Schenk hatte ihn als damaliger Direktor der "Josefstadt" dafür engagiert. Nun fand man beim nämlichen Stück wieder zueinander. Lohner führt Regie und Schenk ist Cooper. Harald Serafin komplettiert als Aylott das Spiel der Giganten.
Die Geschichte des Witwers Cooper, der in einem Seniorenheim um seine vor Jahrzehnten verschiedene Frau trauert, einmal im Monat den Besuch von Tochter und Schwiegersohn erträgt und die Freundschaft mit dem langsam an Demenz erkrankenden Aylott pflegt, bringt alles mit, was das englische "well made" fordert: Tiefenschärfe, gut funktionierende Dialoge und aus britischem Humor gefertigte Pointen.
Amra Bergmann-Buchbinder (Bühne) hat Coopers Zimmer liebevoll und praktikabel ausgestattet. Hinter dem Messingbett suggeriert eine Gebirgslandschaft, dass ein Altersheim keine nüchterne Endstation sein muss.
Und wie sich Otto Schenk mit Sarkasmus dem körperlichen Verfall entgegenstellt, sich im Umgang mit der jungen Krankenschwester wandelt, ist ein Ereignis. Solche Schauspielerpersönlichkeiten sind heute am Theater eine Rarität. Virtuos erspielt Harald Serafin die schrittweise Verstörung eines agilen Senioren im Kampf gegen die Demenz. Hilde Dalik leuchtet als junge Krankenschwester.
Und Helmuth Lohners Regie ist, was man einen Clou nennen muss. Jede Geste, jedes Mienenspiel, auch bei kleineren Rollen, wirkt sinnerfüllt. Wie nach einer präzisen Partitur agiert der gute Rest des Ensembles: Susanna Wiegand, Alexandra Krismer und Oliver Huether.
(NEWS)

Berührend statt bedrückend: Altersheim-Stück in den Kammerspielen
Helmuth Lohner inszenierte "Schon wieder Sonntag" - Otto Schenk machte sich und seinen Fans zum 85er ein Geburtstagsgeschenk - Harald Serafin mit nobler Würde.
Zwei alte Männer im Altersheim. Den einen plagt beginnende Inkontinenz, der andere hat Angst davor, von einer Demenz-Erkrankung zum "Zombie" gemacht zu werden. Nicht gerade ein Stoff, den man leichten Herzens für einen Theaterabend empfehlen würde. Doch "Schon wieder Sonntag" an den Kammerspielen der Josefstadt ist anders. Nämlich nicht bedrückend, sondern berührend. Und dabei überraschend witzig.
Verantwortlich dafür, dass die düstere Thematik nicht larmoyant, sondern wahrhaftig über die Rampe kommt und existenzielle Fragen trotz schweren Schritts der Beteiligten erstaunlich leichtfüßig behandelt werden, sind verschiedene Faktoren. Das vor 30 Jahren uraufgeführte Stück des Briten Bob Larbey (1934-2014) schildert die Situation zweier gebrechlicher Freunde im Kampf um die Bewahrung der menschlichen Würde mit Angemessenheit, aber auch mit britischem Humor. Wie man die Balance zwischen Wortwitz, Sarkasmus und Verblödeln hält, hatte Regisseur Helmuth Lohner 1995 selbst erproben können: Damals stand er im Theater an der Josefstadt in der Hauptrolle des Cooper auf der Bühne.
In den Kammerspielen ist nun Otto Schenk der Altersheim-Insasse, der seine Ersparnisse dafür verwendet hat, die Rolle des Zuhauses bei Tochter und Schwiegersohn (die beiden besuchen ihn jeden ersten Sonntag im Monat für ein immer knapper werdendes, für alle Beteiligten unerquickliches halbes Stündchen) geduldeten und ohne viel Aufsehen seinem Tod entgegendämmernden Alten gegen einen für luxuriöse Rundum-Betreuung zahlenden Gast einzutauschen. Hier, in den von Ausstatterin Amra Bergmann-Buchbinder mit kitschigen Bergsee- und Rotwild-Szenen bemalten vier Wänden, muss er auf niemanden Rücksicht nehmen. Da darf er sich so geben, wie er sich fühlt.
Das bedeutet: mit der hantigen Raumpflegerin (knochentrocken: Susanna Wiegand) führt er einen mit Sticheleien durchsetzten, doch von Grundsympathie getragenen rhetorischen Kleinkrieg, mit der apart anzusehenden Krankenschwester (Hilde Dalik trägt in ihrer Zuwendung für den alten Herrn reichlich dick auf) einen anregenden, leicht anzüglichen Dauerflirt, der für beide zu den schönen Abwechslungen des Alltags gehört. Dass er seine Zeit lieber mit der Wahl-Tochter als mit dem herben eigenen Sprössling samt tumbem Ehe-Anhang (ostentativ genervt und überfordert: Alexandra Krismer und Oliver Huether) verbringt, ist überdeutlich.
Schenk gibt als Cooper die Schlacht noch nicht verloren, er reitet weiterhin wie ein Don Quixote der Geriatrie so aufrecht wie möglich (auch wenn der tiefe Ohrensessel zunehmend magnetische Kräfte zu entwickeln scheint) gegen die Windmühlen des Alters, seinen Freund Aylott an seiner Seite.
Denksportaufgaben, Schachspiele und sprachliches Florettfechten dienen täglich aufs Neue dazu, sich gegenseitig zu versichern, dass man nicht bereits gaga geworden, sei ohne es zu merken. Harald Serafin stattet Aylott mit einer noblen Würde aus, die Kurve zur zunehmenden Verwirrtheit bewältigt er souverän, ohne ins Schleudern zu geraten.
Am 12. Juni feiert Otto Schenk seinen 85. Geburtstag. Er hat sich und seinen Fans bereits jetzt ein schönes Geburtstagsgeschenk gemacht. Langer, herzlicher Applaus.
(APA)

Helmuth Lohner, der vor vielen Jahren selbst einen (vergleichsweise jungen) Cooper spielte, inszenierte wunderbar unsentimental, ohne Pathos, aber mit viel Mitgefühl für die ihm anvertrauten Figuren.
Otto Schenk spielt den Cooper als körperlich fast schon zu hinfälligen Mann - der nur noch im Flirt mit der Krankenschwester Kraft entfaltet. Herrlich ist es, wie er den galligen Humor des Textes zelebriert. Die Slapstick-Nummer des Schuhe-Anziehens, die von grell komisch nach tief traurig kippt, ist ein Meisterstück. Wie dieser Cooper am Ende doch noch eine Verbindung zur ungeliebten Tochter aufbaut und sich mit würdevoller Wut weigert, den geistigen Verfall seines Freundes zu akzeptieren, berührt durch Wahrhaftigkeit.
Harald Serafin als Aylott ist die Überraschung des Abends: Ihm gelingt eine großartige, packende Darstellung ohne Schmiere oder falsche Töne - er ist ein starker Anwalt seiner Figur. Wie Serafin ganz am Ende den stillen Abgang des Aylott ins Land der "Zombies" spielt, rührt nicht nur seinen Sohn im Publikum zu Tränen.
Hilde Dalik ist als Schwester Wilson glaubwürdig sexy und glaubwürdig nett - wie die "Jugend" in einer Raimund-Inszenierung. Susanna Wiegand gibt der Mrs. Baker hantige Abgründigkeit - über ihr Leben würde man gerne noch mehr erfahren. Alexandra Krismer beeindruckt als Tochter mit vereistem Gefühlszentrum, die es kaum fertig bringt, den eigenen Vater zu berühren. Oliver Huether als genervter "Flachdach"-Ehemann assistiert ihr blendend.
Sehr freundlicher Applaus.
(Kurier)

Otto Schenk spielt den grantigen Cooper, der unglaubliche Textmengen hat, ohne Hänger und mit bezaubernder Bravour. Die Pointen sitzen, noch im beiläufigsten Gebrabbel, von dem das Stück einiges enthält. Kürzungen im ersten Teil hätten nicht geschadet. Schenk balanciert sich und seine Pantoffeln, wirft und fängt Weingummi. Er hat viele komische Momente mit seinem tollen "Slow-Slapstick", falls es das gibt. Er zeigt aber auch die Tragik eines Menschen, dessen lebhafter Geist unter der wachsenden Gebrechlichkeit des Körpers leidet.
Die Überraschung des Abends ist Harald Serafin: Als eloquente Frohnatur, als Sir mit Sektglas bekannt, berührt er stark als grimmig-humorvoller Aylott, der panische Angst vor Alzheimer hat. Helmuth Lohner hat mit Wissen um die Gaben aller Akteure inszeniert. Die Befürchtung, es könnte sich bei der Konstellation Schenk/Lohner/Serafin um ein Insiderunternehmen routinierter Oldies handeln, erweist sich als haltlos.
(Die Presse)

In Schon wieder Sonntag triumphiert die Trotzigkeit und Nüchternheit eines alten Schauspielerkörpers; Otto Schenk bringt ihn kontrolliert immer wieder ins Wanken, zieht mit wehendem Morgenmantel seine Kreise zwischen Bett, Ohrensessel und Badezimmer (Inkontinenz!), um sich gelassen und auf seine ganz spezielle Weise fast heimtückisch in den nächsten Witz einzuwiegen. Das Stück des britischen Scriptwriters Bob Larbey (1934-2014), in dem einst schon Harald Juhnke glänzte, geht der Miserabilität der Beschwerden beim Älterwerden an den Kragen. Schwarzer Humor, wo man hinhört. Gebrechlichkeiten und dem nahenden Lebensende generell kommt man mit kühnen Metaphern bei. Mit "Wasserspielen" meint man etwa Inkontinenz; die Übersetzung stammt von Ursula Lyn.
Über die in der Erzählung angelegten Klischees (Cooper, der Frauenheld) sieht man willig hinweg; der Figur der sexy Krankenschwester Wilson (Hilde Dalik mit einem Bezaubernde-Jeannie-Zopf) hätte man aber noch mehr Slapstickmomente vergönnt; so wirkt sie allzu kitschig.
Zwischen öden Verwandtenbesuchen und internen Routinen (Susanna Wiegand als hantige Reinigungskraft) geben sich die zwei Schicksalsgenossen Cooper und Aylott ihren tabulosen Veräppelungstiraden hin. Sie gängeln einander mit üblichen, fragwürdigen Sprechweisen wie "Du hast ja noch so viele schöne Jahre vor dir!". Im zweiten Teil, der leicht durchhängt, gelingen Schenk und Serafin auch ergreifende Momente. Dazu spielen die Rolling Stones Out of Time. Schön.
(Der Standard)

Jeder, der schon einmal in einem Altersheim zu Besuch war, kennt es: dieses schleichende Verlorengehen von Zeitgefühl. Der Titel von Bob Larbeys Stück "Schon wieder Sonntag", das am Donnerstag in den Wiener Kammerspielen Premiere hatte, bringt das schon ganz gut auf den Punkt. So wie auch der trockene Galgenhumor, der diese bittere Komödie mit Otto Schenk und Harald Serafin durchzieht und der sich unwillkürlich einstellt, wenn man mit der Unvermeidlichkeit von Tod und Krankheit alltäglich konfrontiert wird. Das ist zum Beispiel Coopers (Schenk) Überlebensstrategie: Nur ja kein netter alter Mann werden. Dann schon lieber ein alter Lüstling, zu dem man, wie er feststellt, "übergangslos vom Mann in den besten Jahren wird". Er teilt Krankenschwester Wilson (Hilde Dalik) unverblümt mit, dass er des Nachts von ihr geträumt hat, "splitter...". Die steigt beherzt auf seine Anspielungen ein und so zelebrieren sie eine innige Freundschaft der hoffnungslosen Anzüglichkeiten. Mit seiner eigenen Tochter Julia (Alexandra Krismer), die jeden ersten Sonntag im Monat zu Besuch kommt, hat Cooper eine weit schwierigere Beziehung. Die sich im zweiten Teil des Stücks ein bisschen gar unkompliziert zum Besseren wendet. Da mangelt es ein wenig an Glaubwürdigkeit und Authentizität. Letztere hat wiederum ihre stärksten Momente, wenn Cooper und sein Freund Aylott (Serafin) aufeinandertreffen und ihre Unzulänglichkeiten mit der munteren Phrase: "Wie geht's? - Unverändert, darf nicht klagen!" karikieren. Cooper lässt körperlich nach (er "tröpfelt"), Aylott geistig. Zusammen sind sie also ein welkendes Team der Gebrechlichkeiten.
Nicht verlaufen
Cooper macht sich so lange lustig über die "Zombies", die sich in ihrem eigenen Gehirn verirren, bis sich herausstellt, dass Aylott auch vermehrt Aussetzer hat. Er ist ihm aber Freund genug, dem Mitleid nicht die Macht über den Sarkasmus zu überlassen. Und so sagt er zu Aylott, der nur schnell den Whisky vom Nachtkastl im selben Zimmer holt: "Aber verlauf dich nicht."
In der Regie von Helmuth Lohner spielen sowohl Schenk, als auch, beziehungsweise insbesondere Serafin sehr zurückgenommen und verleihen ihren Figuren eine berührende Tiefe. Wenn Serafin als Aylott merkt, dass er vergessen hat, was er vergessen hat, dann ist das schlicht traurig. Und mehr muss es gar nicht sein.
Die Chemie zwischen Schenk und Serafin als humpelnden Rebellen gegen das Unausweichliche freilich entschädigt für so manches.
Wer sich einen kalauernden Theaterabend erwartet, der wird enttäuscht sein.
(Wiener Zeitung)

Hervorragendes passiert an den Rändern der Geschichte, wenn Alexandra Krismer und Oliver Huether als Tochter und Schwiegersohn präzise gespielte Persönlichkeitsstudien liefern.
(Kronen Zeitung)

Regie
Helmuth Lohner

Bühnenbild und Kostüme
Amra Bergman-Buchbinder

Dramaturgie
Cinja Kahl

Licht
Manfred Grohs

Übersetzung
Ursula Lyn

Cooper
Otto Schenk

Aylott
Harald Serafin

Wilson, Krankenschwester
Hilde Dalik

Julia, seine Tochter
Alexandra Krismer
Martina Stilp-Scheifinger

Peter, Julias Mann
Oliver Huether

Mrs. Baker
Susanna Wiegand