Herbert Föttinger überrascht mit einer radikalen ästhetischen Neuinterpretation des Qualtinger-Klassikers.
Mutig ist es, im Jubiläumsprogramm der hundertjährigen Wiener Kammerspiele "Der Herr Karl", den absoluten Bühnen-Klassiker in der Sichtbarmachung der typisch österreichischen Spielart des Opportunismus, anzusetzen. Doppelt mutig ist es, was seit gestern, Donnerstag, Abend dort zu sehen ist, wo Helmut Qualtinger 1962 selbst in der von ihm und Carl Merz geschaffenen Figur Triumphe feierte. Regisseur Herbert Föttinger setzt auf eine radikal reduzierte, klare Bühnen-Ästhetik in Schwarz-Weiß und lässt Martin Zauner keinerlei Bewegungsspielraum. Überraschung: Der Monolog funktioniert auch so.
Nach einer Aufwärmphase spielt Zauner sich frei von der Last des übergroßen Vorbilds, bietet hübsch aufblitzende Reste einstigen Charmes, eine geniale Witz-Nummer und vor allem immer wieder neue Beispiele einer radikal subjektiven, sich ständig verändernden Weltsicht. Was im einen Augenblick "schrecklich" ist, kann schon im nächsten Augenblick mit der gleichen Inbrunst der Überzeugung "herrlich" genannt werden - ob es die durchlebte Zeit, die eigene Gesundheit oder verflossene Gefährtinnen sind. "Der Herr Karl" richtet es sich immer, wie er es braucht, und ohne etwas dabei zu finden. Eine in ihrer Janusköpfigkeit dämonische Figur: abstoßend und sympathisch zugleich.
Zu zeigen, dass "Der Herr Karl" keinerlei Staub angesetzt hat, dass er frisch und lebendig ist wie eh und je, ist der große Verdienst dieser Neuinszenierung.
(APA)
Jubel. Qualtingers politisch brisanteste Kabarett-Erfindung trifft auch nach fast 50 Jahren immer noch ins Schwarze.
Und Martin Zauner überzeugt als jovialer Biedermann, Schlawiner und Kleinbetrüger in seiner Dummheit, Ignoranz, Heuchelei und Hinterfotzigkeit auch den, der Qualtinger noch im Ohr hat.
(Kurier)
Martin Zauner ist vom Typus her ein idealer "Herr Karl" (...). Zauner erweist sich einmal mehr als Herr seines Talents, das in seiner Art einmalig ist. Und zwar, wie sich seit einiger Zeit bemerkbar macht, nicht nur im Komischen, wo Zauner meist brilliert, sondern auch im Tragischen. (...) Somit ist bei diesem skeptisch beäugten Revival eine echte Wiederbelebung gelungen, an der Föttingers Regie wohl ihren Anteil hat. Aber der Trumpf dieser Aufführung ist der großartige Zauner.
(Presse)
In dieser Bühnenschachtel (...) legt Zauner einen großartigen Herrn Karl hin - cholerischer als Qualtinger, obgleich nicht ganz so siaßlert und verschlagen.
(Falter)
Berechtigter Jubel.
(Österreich)