So stark wie in diesem Kirschgarten hat man das Josefstadt-Ensemble lange nicht mehr gesehen. Amélie Niermeyer münzt ihr Josefstadt-Debüt in eine vibrierende Inszenierung um. Alle bekommen gleich viel Raum, um ihre Schicksalhaftigkeit zu zeigen. Es haben ja schon bei Tschechow die kleinsten Rollen die profundeste Tiefenschärfe: Nicht nur der alte Diener Firs, den Otto Schenk als leibhaftiges Zitat einer vergangenen Epoche inthronisiert. Auch die Gouvernante Charlotta (Alexander Absenger) triumphiert als tragisches "Zirkuskind", als Transe ohne Halt, die der Verkauf des Gutes ins Prekariat reißen wird und die sich mit Händen und Füßen und Klamotten gegen ihre Außenseiterexistenz wehrt (famose Kostüme: Annelies Vanlaere). Niermeyer malt ein Panoptikum der vergangenheitsseligen Modernisierungsverlierer und der von ihnen Abhängigen. Die Josefstadt hat sich mit diesem Kirschgarten Terrain erobert. Niermeyer rüttelt am realistischen Repräsentationsspiel zugunsten einer vorzüglichen Körperkomik, die das Stück lebhaft in Gang hält. Dabei werden ungeahnte Talente kenntlich. Raphael von Bargen (als Lopachin) bläst nach dem Deal seines Lebens (er kauft das Gut samt Kirschgarten) so irre ins Saxofon, als hätte er die Motorsägen, die den edlen Bäumen zu Leibe rücken werden, schon mitangeworfen.
(Der Standard)
Amélie Niermeyer inszenierte Anton Tschechows Spätwerk zügig, frisch und gekonnt mit eigenen Akzenten. Von Bargen spielt mit Verve einen unruhigen Geist in teurem Designeroutfit. MacDonald gelingt ein Kunststück: Abwesenheit und Präsenz zugleich. Sie rührt das Herz. Silvia Meisterle verleiht der verschmähten Warja eine Menge Herzblut. Und auch an Charakterköpfen mangelt es nicht. Robert Joseph Bartl ist urkomisch als Gutsbesitzer in Geldnöten. Alexander Absenger darf sich queer und schrill in einer Frauenrolle austoben. Einen sich anbiedernden Kotzbrocken gibt Claudius von Stolzmann. Otto Schenk spielt den greisen Firs so gut, dass man noch ewig davon reden wird. Höfisch gekleidet wandelt er durch die Szene, als ob er aus einer anderen Welt stammte.
(Die Presse)
Herausragend in allen Farben ihres großen Könnens: Sona MacDonald als weltfremde, aus Paris heimgekehrte Gutsbesitzerin. Ihr Bruder Gajew (Götz Schulte) ist eine verschrobene, liebenswerte, traurig-komische Figur. Gioia Osthoff als Anja die fröhliche Blüte im tragischen Kirschgarten. Und Robert Joseph Bartl ein schrulliger Gutsbesitzer. Silvia Meisterle gibt der zwiespältigen Aschenbrödelrolle des in Ängsten erstarrten Mädchens Warja Kontur. Otto Schenk berührt als Diener Firs.
(KURIER)
Überraschend energetisch und komisch ist es, wenn die Figuren wie in einem Wimmelbild über die Bühne wirbeln. Alles angenehm und unaufgeregt. Niermeyer hat den Stoff moderat modernisiert, das junge Ensemble agiert so vital wie schon lange nicht mehr. Weiter so!
(Profil)
Niermeyer gelingt mit ihrer Interpretation von Tschechows Tragikomödie die kurzweilige Bestandsaufnahme einer gleichgültig gewordenen Gesellschaft.
(Salzburger Nachrichten)
Amélie Niermeyer beschleunigt die Handlung und lässt weniger wichtiges im Trubel untergehen. Sona MacDonald. Als bankrotte Adelige Ljubow Andrejewna die Zentralfigur, spielt das langsame Erwachen einer Weltfremden in berührender Schlichtheit. Otto Schenk spielt den Firs, als lebte er noch in der guten alten Kirschgarten-Zeit. Kleinste Gesten, ein Hochziehen der Braue, ein angedeutetes Ausweichen vor der rüden Körperlichkeit der Jüngeren genügen ihm, seine Klasse zu zeigen. Am Ende legt sich der greise Firs in die Scherben der der verflossenen Pracht. Ein starkes Bild.
(Kleine Zeitung)
Die deutsche Regisseurin Amelie Niermeyer spielt erstaunlich viele Asse aus. Die Atouts heißen Rhythmus, Musik und ein wunderbares Ensemble. Niermeyer hat ein gutes Gefühl für die richtige Abfolge von Leichtigkeit und Schwere, Euphorie und Melancholie, Komik und Tragik.
(APA)
Amélie Niermeyers Inszenierung öffnet den Raum dafür, sich nach und nach in die Figuren zu verlieben. Eine behutsame Aktualisierung des Tschechow-Klassikers mit Star-Faktor: Otto Schenk, ein programmiertes Ereignis.
(nachtkritik.de)
Ein tadelloses Ensemble.
(Kronen Zeitung)
Niermeyer hat mit einem exzellenten Ensemble ein Fest der Verwandlung gezaubert, herausragend!
(Der Falter)
Ein zeitloses Erlebnis! Amélie Niermeyer und dem tollen Josefstadtensemble gelingt eine hervorragende "Kirschgarten"-Interpretation.
(FAZ)