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Theater in der Josefstadt

Der deutsche Mittagstisch

Dramolette

von Thomas Bernhard

ca. 2 Stunden, 30 Minuten (Pause nach ca. 90 Minuten)

Premiere:
17.09.2020


Besetzung

Mit
Erste Frau/Erste Nachbarin/Nora/Zweite Frau/Bühnenarbeiter/Ensemble
Ulli Maier
Zweite Frau/Türke/Frau Sütterlin, Schulrätin/Hundeführerin/Ensemble
Lore Stefanek
Kroll/Pfarrer/Türke/Zweiter Ministerpräsident/Bühnenarbeiter/Ensemble
Robert Joseph Bartl
Maria/Frau Mühlfenzl, Stadträtin/Das Fräulein Redepennig/Ensemble
Sandra Cervik
Zweite Nachbarin/Frau Hueber, Lehrerin/Erste Frau/Bühnenarbeiter/Frau Bernhard
Traute Hoess / Therese Affolter
Totengräber Zorneder/Herr Mühlfenzl, Gerichtsrat und Massenmörder/Bundespräsident/Ensemble
André Pohl
Grabhügel/Türke/Eisverkäufer/Bundeskanzler/Ensemble
Raphael von Bargen
Türke/Außenminister/Ensemble
Marcus Bluhm
Türke/Herr Sütterlin, Gerichtspräsident und Massenmörder/Erster Ministerpräsident/Herr Gürgens/Herr Bernhard
Michael König
Türke/Herr Hueber, stellvertretender Gerichtspräsident und Massenmörder/Der sogenannte Moderator/Ensemble
Bernhard Schir

Stab

Regie
Claus Peymann
Bühnenbild, Projektionen
Achim Freyer
Kostüme
Margit Koppendorfer
Dramaturgie
Jutta Ferbers
Mitarbeit Bühnenbild
Victoria Philipp
Licht
Achim Freyer
Licht
Ulrich Eh
Musik, Geräusche
Jan Brauer
Regieassistenz
Anna Holzer
Beleuchtung und Projektionen
Clemens Malinowsky
Video
DER DEUTSCHE MITTAGSTISCH
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Der deutsche Mittagstisch in Wien, aus aktuellem Anlass?
Thomas Bernhard hat mit seiner Literatur, seinen Theaterstücken, seinem Blick in die österreichische Seele seinerzeit für Erstaunen, Entrüstung und Aufruhr, aber auch für vehemente Zustimmung im ganzen Land gesorgt. Dass er "über den Tellerrand" hinaus schaute – um in seinem Heimatland umso klarer zu sehen, zeigen seine – schon fast vergessenen Meisterstücke, die Dramolette.
Bernhard skizziert in diesen grotesken Miniaturen mit scharfem Blick, Leichtigkeit, Witz, schwarzem Humor – und tiefster Menschenkenntnis "kleine" Szenen zu "großen" Themen.
Ein Fest für Schauspieler und Publikum...und zugleich die Ironie der Geschichte: bis heute, 75 Jahre nach Kriegsende, haben die Dramolette nicht an Dringlichkeit und erschreckend politischer Aktualität verloren, im Gegenteil: was damals virulent schien, ist heute offenkundig. Wir alle sind das Thema, unsere Ängste, unsere Verdrängungen, unser Umgang mit der Geschichte, unsere vermeintliche Arglosigkeit – in Deutschland wie in Österreich...
Kurz bevor Bernhard zum "Staatsheilgen" erklärt wird – besonders von denen die ihn zu Lebzeiten aus dem Land jagen wollten – erinnert die Inszenierung von Claus Peymann an den politischen Zeitgenossen Bernhard. Der Skandal um HELDENPLATZ in der BURG ist noch nicht vergessen. Da wird in seinen Dramoletten erkennbar, wie hellsichtig und messerscharf, komisch und verblüffend, traurig und doch wahr Bernhard quasi als Menetekel an der Wand - in den 1980/90er Jahren skizziert, was uns heute "blüht"...

Die Figuren seiner Dramolette, Nachbarn, Mitbürger und Menschen wie du und ich, erzählen, scheinbar heiter und gelassen, unspektakulär aufregend wie schnell die Grenzen unserer Demokratien aufgeweicht werden, wie schmal der Grat ist zwischen Arglosigkeit und Aggression, Alltagsgeplänkel und Neofaschismus, Drohen und Zuschlagen...
Und er zeigt die Ursachen des Hasses auf die Fremden, die "Saupresse", auf alle, die da anders sind, sich wehren oder von einer anderen, besseren Welt träumen: große Einsamkeit, geschürte Ängste, Verletzlichkeit, Frustration und – nicht zuletzt -  zunehmender Egoismus.
Der deutsche Mittagstisch ist ein kleines, hellsichtiges Meisterstück, dessen tragische Aktualität alarmiert. "Lauter Nazis..." kommen zutage wenn man die Suppe auslöffelt, die Bernhard mit seinem Mittagstisch serviert. Was idyllisch beginnt führt zu bösem Erwachen, vergnüglich und erschreckend zugleich.