Jubel... Bravos... Regisseur Becker lässt eine scharfe, böse, ebenso witzige wie erschreckende, niemals weinerliche Komödie spielen... Gerti Drassl ist ein Theaterereignis.
(Kurier)
So lustig kann Tschechow sein. Die eitle und zum Kitsch neigende Künstlergesellschaft in der Möwe wird in Beckers Inszenierung aufs Glatteis geführt. Daran muss man sich als Zuschauer zunächst gewöhnen, dann spielt man gerne mit. Schlimmstenfalls ist das Jugendtheater-Gemurkse, bestenfalls der lustigste Tschechow seit je. Gerti Drassl macht bei Beckers Slapstick am faszinierendsten mit, auch Andrea Eckert ist als Theaterprimadonna Arkadina nicht nur große Charakterdarstellerin, sondern auch Komödiantin. Sah man zu Beginn skeptisch zu, hat man bis zur Pause schon viel und herzhaft gelacht. (...)
Gerti Drassl als Vertreterin der jungen leidenschaftlichen Schauspieler-Zunft begeistert mit ihrem Repertoire an wilden Gefühlsäußerungen. Andrea Eckert ist eine enorme Bereicherung für die Josefstadt.
(Österreich)
Eckert exerziert die aggressive Erotik einer Täterin mit Ablaufuhr: Sie schwingt den schwarzen Seidenschal, als müsse sie eine Schar von Hornochsen zur letzten Corrida anstacheln.
(Der Standard)
Ein interessanter Charakter: Dietrich Hollinderbäumer als Sorin. 28 Jahre hat er mit staubigen Gerichtsakten verbracht, immer wollte er etwas erleben, nichts ist ihm gelungen. Begeistert begrapscht er die nackten Arme der "Möwe" Nina, doch er erntet nur Spott und Ermahnungen mit seinen Tiraden. Am Schluss füttert ihn sein Neffe mit Babynahrung, hernach wird er in ein Eck geschoben und schlafend stehen gelassen. Da ereignet sich eine Tragödie und keiner will dabei sein, schon gar nicht der Betroffene.
(Die Presse)
Die eindrucksvollste Figur des Abends zeichnet mit diskreter Präsenz Dietrich Hollinderbäumer als Akardinas Bruder Sorin, der zu spät erkennt, dass er im Grunde am Leben vorbeigelebt hat und noch als Todkranker im Rollstuhl darauf insistiert, endlich "zu leben".
(Wiener Zeitung)
Während die Alten abgebrüht mit ihrem Unglück umgehen, trifft es die Jüngeren existentiell. Aber selbst im exaltierten Ausdruck bleibt der genialische, von seiner Mutter verhöhnte Kostja (Florian Teichtmeister) nicht eindimensional, er bietet dem Publikum eine umfassenden Gefühlspalette an.
(Salzburger Nachrichten)
Wären da noch die anderen, wie etwa Mascha. Sie ist das, was sich die Macher des Abends etwa unter den jungen Wilden von heute vorstellen: Die "No way out"-Generation mit Gruftie-Charme, vorwiegend in schwarz gekleidet, mit Dreadlocks und Dosenbier. Maya Bothe bestimmt durch ihre Präsenz den Abend. Auch wenn sie in gängige Klischees eintaucht, hält sie ironische Distanz.
(APA)
Und dann die Diva, die Eckert! Gewohnt artistisch, mit großen Allüren macht sie die Arkadina, hat ihren Schriftsteller Trigorin (Michael von Au) im Schlepptau und ist ganz Schauspielerin.
(Kronen Zeitung)
Drei Junge, die interessieren: Gerti Drassl, Maya Bothe und Florian Teichtmeister haben sich ihr Restleuchten bewahrt.
(News)