Regisseur Philip Tiedemanns Interpretation dagegen verströmt eine urtümliche Empathie. Sie wirkt im besten Sinne altmodisch. Statt Künstlichkeit findet schwerblütiges Volkstheater statt, wenn auch modernisiert, stilisiert. Die Schauspieler erscheinen wie poliert, bis in die kleinsten Nebenrollen: August Zirner als Hudetz, ein Mensch, eingesperrt in seine traurige Existenz; Herr und Frau Hudetz (Marianne Nentwich) sind ein tragisches Paar, er depressiv, sie verrückt vor Eifersucht, sie normalisiert sich erst, als sie von dem Mann befreit und zu ihrem Bruder (berührend: André Pohl) gezogen ist. Maria Köstlinger als Anna wirkt gereift und stark. Sie alle überzeugen.
(Presse)
Im Theater in der Josefstadt begegnet Regisseur Philip Tiedemann dem Stück, das nicht gänzlich frei von Manierismen und Unschärfen ist, mit bewundernswerter Geradlinigkeit. Das elegante und überaus wandlungsfähige Bühnenbild von Etienne Pluss und die stilvollen Kostüme von Stephan von Wedel versetzen die Handlung in die späten 1930er Jahre, die Entstehungszeit des Stücks. August Zirner ist ein "Herr Vorstand" wie aus dem Bilderbuch, ein herrlich stocksteifer Langweiler, mit bis zuletzt zusammengebissenen Lippen. Maria Köstlinger ist eine wunderbar leichtfüßige Anna, die zusehends von der Last des Meineids erdrückt wird; präzis stimmt bei ihr einfach jede Geste.
(Wiener Zeitung)
Auf der Haben-Seite firmiert ein großartiges Protagonistenpaar: Maria Köstlinger als emotional-verspielte Anna und August Zirner als "zerrissener" Hudetz. Viel Applaus für die Darsteller.
(Österreich)
Das Ensemble, angeführt von August Zirner und Maria Köstlinger, spielt bemerkenswert diszipliniert und stark.
(Kurier)
Eine gut gearbeitete und durchdachte Inszenierung.
(OÖ Nachrichten)
Horváth-Kunst-Stück! Tiedemann leistet Maßarbeit: Die schuldhafte Verstrickung des Stationsvorstandes Thomas Hudetz, die zur Zugskatastrophe und in der Folge zum Mord an der Wirtstochter Anna führt, seine abstoßende Selbstgerechtigkeit, seine Verdrängung von Schuld - das alles gibt dieser Regie Atmosphäre. Mythos ist angesagt. Alle sind irgendwie Opfer. Sie erleben eine Vertreibung aus dem Paradies der Unschuld(...)
Tiedemanns Figuren sind Meister in der Kunst Horváth’schen aneinander Vorbeiredens. Besonders August Zirner - soeben mit dem Oscar-gekrönten "Fälscher"-Film geehrt - trifft den kunstvoll gemessenen Ton genau. In die Stille zwischen seinen Sätzen packt er die dunklen Gedankengänge, sein Lächeln - das Lächeln eines Schlaflosen - und sein Verstummen maskieren nur die Gemeinheit. Maria Köstlinger als Wirtstochter Anna spielt kein Mädel, sondern eine junge Frau. Selbstbewusst, fordernd. Eine, die sich in ihren doppelbödigen Sätzen auf die "Verlobung" (ihre Ermordung) zutreiben lässt. Viel Beifall.
(Kronen Zeitung)