Stephanie Mohr hat mit Reinhardt-Seminaristen gearbeitet, Statements heutiger Jugendlicher eingefügt, die, trotz der ungleich größeren Freiheit als zu Wedekinds Zeiten, erstaunlich viel Unsicherheit in Sachen Sex verraten. Ferner gibt es tolle Musiknummern.
Die Besetzung ist wunderbar, allen voran Christian Erdt als Katastrophenkind Moritz Stiefel, Felix von Bredow als Melchior und die hinreißende Liliane Amuat als ungewohnt rustikale und vitale Wendla. Aber auch Peter Scholz und Michou Friesz in wechselnden Rollen beeindrucken.
Dieser Aufführung kann man sich ohne viel nachzudenken ergeben und sie genießen. Sie ist keine Sekunde überoriginell, aber auch nicht langatmig. 1918 wurde "Frühlings Erwachen" in den Kammerspielen gezeigt, zum 100. Geburtstag der Bühne leistet man sich sozusagen Riskantes. Das sollte öfter probiert werden.
(Presse)
Es brillierten Liliane Amuat als Wendla, Felix von Bredow als Melchior und Christian Erdt als Moritz. Enthusiastisch, spannungsgeladen und mit überschäumender Energie rissen sie das Publikum in die Geschichte hinein.
(Kronen Zeitung)
Mohr setzt auf Tempo, raschen Szenenwechsel und ein junges, unverbrauchtes Ensemble. Von Bredow, Erdt, Amuat, dieses Trio spielt großartig. Eine Klasse für sich ist auch Michou Friesz, die in mehreren Rollen brilliert. Wie auch Hilde Dalik als gefallenes "Modell" Ilse extrem starke Szenen hat. Dieses "Frühlings Erwachen" tut den Kammerspielen in vielerlei Hinsicht extrem gut.
(Kurier)
Wedekinds schönen, glutvollen Sätze lässt die Regisseurin ihre ganze, hellwache Aufmerksamkeit angedeihen. Auf der anderen Seite wird uns Nachgeborenen aber auch ohne Not tüchtig heimgeleuchtet. Auf einen schönen Antikkasten, dessen diverse Flächen sich prächtig als Schauplätze für erotische Selbstversuche wie auch für Paarungsbemühungen eignen (Bühne: Miriam Busch), projiziert ein Beamer Jugendliche.
(Standard)
Die Schauspielstudenten, tadellos ergänzt durch Michou Friesz. Hilde Dalik und Peter Scholz, leuchteten, wie nur ganz Junge und ganz Alte es können. Von Liliane Amuat (fabelhaft), Johanna Paliege, Marlena Keil, Felix von Bredow, Christian Erdt, Laurenz Laufenberg und Béla Bufe sollte man noch hören.
(News)
Auf den ersten Blick hin wirkt Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen" wie ein erratischer Block im Repertoire der Kammerspiele, wo man seit Jahrzehnten auf niveauvolles Lachtheater setzt. Doch das war nicht immer so. Längst ist in Vergessenheit geraten, dass sich das Haus in der Rotenturmstraße in seinen Anfängen auch als Ort für provokante zeitgenössische Dramatik profilierte – etwa mit der skandalumwitterten Wiener Premiere von Schnitzlers "Reigen" (1921).
Mit der Stückwahl von Wedekinds einst heftig umfehdeter Kindertragödie, die hier schon 1918 zu sehen war, möchte nun Intendant Herbert Föttinger zum 100-Jahr-Jubiläum der Kammerspiele an diese verschüttete Tradition erinnern; und wohl auch programmatisch ein Zeichen für eine Koexistenz von Unterhaltung und provokanter Innovation setzen. Eine schöne und vielversprechende Idee, an der es nicht das Geringste auszusetzen gibt.
(Wiener Zeitung)