Inszenierung „bringt das Theater in der Josefstadt nach vorn, auch wenn sie nicht aus allem Funken schlägt“.
Die Inszenierung ist gespickt mit popkultuellen Verweisen, von denen die projizierten, KI-animierten Renaissance-Gemälde am meisten faszinieren.
Ins Glücksfahrwasser kommt der Abend immer dann, wenn er mit Schmäh aufwartet, vor allem in den Szenen mit den Eltern Capulet und Montague.
"Gott meldet sich nur, wenn man deutlich funkt", sagt Pater Lorenzo. Also es war keine Erleuchtung, aber es hat gefunkt.
(Der Standard)
Was den Abend ins Erfreuliche dreht, sind die schauspielerischen Leistungen der neuen Garde, die Neo-Intendantin Marie Rötzer ans Haus geholt hat. Leonard Dick bringt die unverbrauchte Frische mit, die man von einem Romeo erwartet. Nikolai Gemel als Mercutio und Samuel Simon als Benvolio gewinnen ihren Rollen Facetten ab, die deutlich über das übliche Stichwortgeben und Sprücheklopfen hinausgehen.
(Die Presse)
Wo und wann soll denn diese Aufführung eigentlich spielen! Die Kostüme sagen klar: jetzt. Die KI-Maske, die über der Stadt hängt und Urteile verkündet, deutet auf nahe Zukunft. Gibt es einen politischen Kontext für die Feindschaft zwischen den Familien? Pucher lässt das in der Schwebe. Das Patriarchat mit seiner Kleinfamilie als Kern allen Übels. "Nichts anderes macht die Familie aus, als Hass auf das, was sie nicht ist", sagt Lady Capulet. Zusätzlich rupft sich Pucher, oder vielleicht auch Lucien Haug, Brocken aus modischen Diskursen heraus und hängt sie den Figuren um den Hals wie schicke Accessoires – so verwandelt sich die Figur des Mercutio mitten im Satz in einen Incel.
(nachtkritik.de)
Ein Wechselbad der Gefühle löst die opulente Inszenierung des meistadaptierten Stücks der Weltliteratur durch Neo-Josefstadt-Regisseur Stefan Pucher aus. Dieses bemerkenswerte Popdrama beeindruckt durch ein ausgeklügeltes Multimedia -Bühnensetting und ausgefallene Kostümkreationen. Der Schweizer Autor (dessen „Hamlet“-Interpretation letztes Jahr in Basel für Furore sorgte) wirft den altbekannten Übertragungskanon August Wilhelm Schlegels über den Haufen, orientiert sich inhaltlich und formal jedoch ebenfalls am Original und dessen prägnantem Versmaß. In seiner Neuübersetzung liegen viel Aktualität und Wortwitz, die den derben Humor des ausgehenden 16. Jahrhunderts aufgreifen und in explizite Sprüche aus der Jetztzeit verwandeln.
(Die Furche)