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Theater in der Josefstadt
Premiere: 05.12.2019

Anton Tschechow

Der Kirschgarten

ca. 2 Stunden, keine Pause

Deutsche Fassung von Elisabeth Plessen
nach einer Übersetzung von Ulrike Zemme

Das nächste Stück, das ich schreiben werde, wird unbedingt komisch sein, sehr komisch, zumindest im Plan.
Anton Tschechow

Die verwitwete Adelige Ljubow Andrejewna Ranjewskaja kehrt nach langjährigem Aufenthalt in Frankreich mit ihrer Tochter auf ihr russisches Gut zurück, das von einem prächtigen Kirschgarten umgeben ist. Von der Schönheit der Kirschblüte und den damit verbundenen Kindheitserinnerungen überwältigt, will Ranjewskaja die hohe Verschuldung des Gutes und die damit drohende Zwangsversteigerung nicht wahrhaben. Retten möchte den alten Besitz nun ausgerechnet der Kaufmann Lopachin, der Sohn eines ehemaligen Bauern, der auf dem Anwesen aufwuchs.

Tschechows letztes Bühnenwerk, das Humor und Tragik auf einzigartige Weise verbindet, gehört zu seinen ausgereiftesten und psychologisch vielschichtigsten Dramen. Wie in seinen anderen Meisterwerken sollte im Kirschgarten weniger die Melancholie einer überlebten Gesellschaftsschicht als die Unvereinbarkeit der Kräfte der alten und der neuen Zeit aufgezeigt werden. Die Uraufführung fand 1904 unter Stanislawskis Regie im Künstlertheater in Moskau, einer zu dieser Zeit in Europa maßgeblichen Bühne, statt. Zwei Jahre später wurde die Aufführung verboten, da das Stück "in grellen Farben den Niedergang des Adels schildert".
Frank Piontek

Für die vielbeschäftigte Theater- und Opernregisseurin Amélie Niermeyer, Leiterin des Studiengangs für Schauspiel und Regie am Mozarteum Salzburg, wird Der Kirschgarten die erste Inszenierung am Theater in der Josefstadt sein.

So stark wie in diesem Kirschgarten hat man das Josefstadt-Ensemble lange nicht mehr gesehen. Amélie Niermeyer münzt ihr Josefstadt-Debüt in eine vibrierende Inszenierung um. Alle bekommen gleich viel Raum, um ihre Schicksalhaftigkeit zu zeigen. Es haben ja schon bei Tschechow die kleinsten Rollen die profundeste Tiefenschärfe: Nicht nur der alte Diener Firs, den Otto Schenk als leibhaftiges Zitat einer vergangenen Epoche inthronisiert. Auch die Gouvernante Charlotta (Alexander Absenger) triumphiert als tragisches "Zirkuskind", als Transe ohne Halt, die der Verkauf des Gutes ins Prekariat reißen wird und die sich mit Händen und Füßen und Klamotten gegen ihre Außenseiterexistenz wehrt (famose Kostüme: Annelies Vanlaere). Niermeyer malt ein Panoptikum der vergangenheitsseligen Modernisierungsverlierer und der von ihnen Abhängigen. Die Josefstadt hat sich mit diesem Kirschgarten Terrain erobert. Niermeyer rüttelt am realistischen Repräsentationsspiel zugunsten einer vorzüglichen Körperkomik, die das Stück lebhaft in Gang hält. Dabei werden ungeahnte Talente kenntlich. Raphael von Bargen (als Lopachin) bläst nach dem Deal seines Lebens (er kauft das Gut samt Kirschgarten) so irre ins Saxofon, als hätte er die Motorsägen, die den edlen Bäumen zu Leibe rücken werden, schon mitangeworfen.
(Der Standard)

Amélie Niermeyer inszenierte Anton Tschechows Spätwerk zügig, frisch und gekonnt mit eigenen Akzenten. Von Bargen spielt mit Verve einen unruhigen Geist in teurem Designeroutfit. MacDonald gelingt ein Kunststück: Abwesenheit und Präsenz zugleich. Sie rührt das Herz. Silvia Meisterle verleiht der verschmähten Warja eine Menge Herzblut. Und auch an Charakterköpfen mangelt es nicht. Robert Joseph Bartl ist urkomisch als Gutsbesitzer in Geldnöten. Alexander Absenger darf sich queer und schrill in einer Frauenrolle austoben. Einen sich anbiedernden Kotzbrocken gibt Claudius von Stolzmann. Otto Schenk spielt den greisen Firs so gut, dass man noch ewig davon reden wird. Höfisch gekleidet wandelt er durch die Szene, als ob er aus einer anderen Welt stammte.
(Die Presse)

Herausragend in allen Farben ihres großen Könnens: Sona MacDonald als weltfremde, aus Paris heimgekehrte Gutsbesitzerin. Ihr Bruder Gajew (Götz Schulte) ist eine verschrobene, liebenswerte, traurig-komische Figur. Gioia Osthoff als Anja die fröhliche Blüte im tragischen Kirschgarten. Und Robert Joseph Bartl ein schrulliger Gutsbesitzer. Silvia Meisterle gibt der zwiespältigen Aschenbrödelrolle des in Ängsten erstarrten Mädchens Warja Kontur. Otto Schenk berührt als Diener Firs.
(KURIER)

Die deutsche Regisseurin Amelie Niermeyer spielt erstaunlich viele Asse aus. Die Atouts heißen Rhythmus, Musik und ein wunderbares Ensemble. Niermeyer hat ein gutes Gefühl für die richtige Abfolge von Leichtigkeit und Schwere, Euphorie und Melancholie, Komik und Tragik.
(APA)

Amélie Niermeyers Inszenierung öffnet den Raum dafür, sich nach und nach in die Figuren zu verlieben. Eine behutsame Aktualisierung des Tschechow-Klassikers mit Star-Faktor: Otto Schenk, ein programmiertes Ereignis.
(nachtkritik.de)

Ein tadelloses Ensemble.
(Kronen Zeitung)

Regie
Amélie Niermeyer

Bühnenbild
Stefanie Seitz

Kostüme
Annelies Vanlaere

Songs
Ian Fisher

Musikalische Komposition
Imre Lichtenberger Bozoki

Dramaturgie
Silke Ofner

Licht
Emmerich Steigberger

Ljubow Andrejewna Ranjewskaja, eine Gutsbesitzerin
Sona MacDonald

Anja, ihre Tochter
Gioia Osthoff

Warja, ihre Adoptivtochter
Silvia Meisterle

Leonid Andrejewitsch Gajew, Ranjewskajas Bruder
Götz Schulte

Jermolaj Alexejewitsch Lopachin, ein Kaufmann
Raphael von Bargen

Pjotor Sergejewitsch Trofimow, ein Student
Nikolaus Barton

Boris Borissowitsch Simeonow-Pischtschik, ein Gutsbesitzer
Robert Joseph Bartl

Charlotta Iwanowna, eine Gouvernante
Alexander Absenger

Semjon Pantelejewitsch Jepichodow, ein Kontorist
Igor Karbus

Dunjascha, ein Dienstmädchen
Alma Hasun

Firs, ein Diener, ein Greis
Otto Schenk

Jascha, ein junger Diener
Claudius von Stolzmann

Iwan, ein Mitbewohner (Live - Musiker)
Ian Fisher