Regisseur Peter Wittenberg hat diese turbulente Farce ebenso turbulent in Szene gesetzt, ohne das Spiel mit dem Spiel (toll auch das Pawlatschentheater-Bühnenbild von Florian Parbs) ins rein Lächerliche zu ziehen. Der Terror, die Brutalität und das Grauen sind allgegenwärtig spürbar. Auch dank Martin Zauner, der als Gestapo-Gruppenführer Erhardt zwar einen dummen Duckmäuser mit hoher Lachgarantie gibt, der aber die Bestialität dieses mordenden Biedermanns in Uniform mehr als deutlich macht. Wenn sich dieser Fatzke mit dem Titel "Konzentrationslager-Erhardt" brüstet, ist alles über das Verbrecher-Regime gesagt. Eine grandiose Leistung und Gratwanderung von Zauner. Nicht minder sensationell agiert Gregor Bloéb als eitler, selbstverliebter und entzückend liebesbedürftiger Josef Tura. Ein Schmieren-Hamlet aus dem Bilderbuch, der sich angesichts der politischen Situation in mehreren realen Rollen bewähren muss. Wie Bloéb es schafft, einen minderbegabten Schauspieler großartig gut zu spielen, wie er sich jede Pointe holt, ist schlicht hinreißend.(...)Berührend Gideon Singer als alter Jude Grünberg; köstlich Siegfried Walther als Akteur mit Hang zum Fettnäpfchen und Stefano Bernardin als ungestümer Liebhaber und Held wider Willen. Sie führen ein tolles Ensemble an.
(Kurier)
Regisseur Peter Wittenberg setzt auf gehörig Tempo. Und Florian Parbs liefert mit seinen praktikablen, dennoch ansprechenden Bühnenbildern die notwendige Basis für das turbulente, witzige Spiel mit Sein und Schein. In Windeseile wechseln die Schauplätze, schlagartig ändern sich die Perspektiven.(...)Gregor Bloéb vermag mit jeder Facette von Josef Tura zu überzeugen: als Schauspieler, der die Pose des nachdenklichen Hamlet derart lange auskostet, dass die Souffleuse denkt, sie müsse ihm den Sein-oder-Nichtsein-Satz einsagen; als Ehemann, der mit einiger Berechtigung unglaublich eifersüchtig ist; und als Feigling, der nur in der Not zum gewitzten Helden wird. Der finale Schlagabtausch mit dem "echten" NS-Gruppenführer gelingt geradezu brillant.(...)Gideon Singer vermag das Herz zu rühren: Wenn er als Chargenspieler Grünberg für Humanismus plädiert.
(Der Standard)
Nick Whitbys "Sein oder Nichtsein" nach dem berühmten Film von Ernst Lubitsch begeisterte das Publikum. Gregor Bloéb brilliert als eitler Komödiant. Goldrichtig besetzt ist Singer als Chargen-Darsteller Grünberg. Das Premierenpublikum reagierte geradezu begeistert. Bloéb ist freilich als Komödiant, der ständig nur seine Wirkung im Auge hat, streckenweise hinreißend und sehr komisch, speziell, als er, nach dem Mord an dem Spion, in dessen Rolle schlüpft. Auch als Hamlet hat er herrliche Momente – und bei der Schmiere, die untrennbar zu dieser Geschichte gehört, ist Bloéb einsame Klasse. Goldrichtig besetzt ist Gideon Singer als Chargen-Darsteller Grünberg, der davon träumt, einmal im Leben den Shylock zu spielen. Die berühmten Sätze aus dem Shakespeare-Drama ("Hat ein Jude nicht Sinne, Gefühle, Wünsche?") klangen schon kraftvoller, doch selten gingen sie derart zu Herzen. Wittenberg leitet das große Ensemble versiert von einer köstlichen Miniatur zur anderen.
(Die Presse)
In den Kammerspielen (Regie: Peter Wittenberg) macht Gregor Bloéb dem Schmierendarsteller Josef Tura alle Ehre, doch vor allen anderen glänzt Martin Zauner als "Konzentrationslager-Erhardt". Lustig.
(Falter)
Regisseur Peter Wittenberg setzt auf Tempo und Witz, jagt sein Ensemble durch die schäbigen 40er Jahre (Ausstattung Florian Parbs), setzt voll auf die Typen: Gregor Bloéb als tollpatschiger "erster Schauspieler" Tura (den jedes "Heil-Hitler" erschreckt) hat Spaß an der Sache(...). Voll in Fahrt kommen auch Stefano Bernadin als Geliebter Marias, Siegfried Walther und all die anderen.
(Kronen Zeitung)
Besonders reizvoll ist, wie souverän und sexy Nina Proll die schöne Schauspielerin spielt(...). Diese kluge Frau jongliert mit der Eitelkeit (und der Dummheit) der Männer, dass es nur so eine Freude ist. Ihr Ehemann auf der Bühne und im Leben ist Gregor Bloéb, der Josef Turas Eitelkeit geradezu um sich herum "sprüht"" der ganze Mann ist eine aufgeblasene Pose, ohne dabei die Glaubwürdigkeit der Figur zu verschleudern (ein wenig "Hamlet"-Parodie ist auch dabei, und er genießt sie).(...)Besonders witzig Ljubiša Lupo Grujčić als Chargenspieler Bronski, Spezialität: Auftritte als Hitler. Und absolut berührend, wunderbar, goldrichtig: Gideon Singer als Grünberg, der vom Shylock träumt(...). Zwischen den Fronten des Geschehens: Stefano Bernardin als entsprechend gut aussehender Liebhaber, und auf der Seite der Nazis: Oliver Huether als schmieriger Professor (teilweise auch als dessen Leiche), und Martin Zauner als Gruppenführer Erhardt, einer, den man mit der Erwähnung des Namens "Hitler" in Schach halten kann und der vor Unsicherheit zappelt, um sich in einem lebensgefährlichen System nicht zu verheddern: Zauner liefert eine umwerfende Studie der bösartigen Hysterie… Im übrigen gibt es eine Nebenrolle, die eindrucksvoll ins Auge sticht: Fabian Stromberger spielt einen kleinen Sturmbandführer, der hilflos und wütend zusehen muss, wie sein unberechenbarer Chef einen Blödsinn nach dem anderen macht, mit einer Ernsthaftigkeit, als ginge es hier nicht um eine Satire, sondern um brutale Wirklichkeit.
(Der neue Merker)
Humor und Spiel sind bisweilen das Einzige, das im Angesicht der schieren Gewalt noch bleibt: Das Nazigrauen als Fundament für eine schwungvolle Screwballcomedy - dieses Vabanquespiel ist den Wiener Kammerspielen am Donnerstagabend fulminant gelungen. Basierend auf Ernst Lubitschs Kinoklassiker aus 1942 bezirzte "Sein oder Nichtsein" bei der Premiere die Zuschauer mit schnellem Spielwitz sowie einem sprudelnden Ideenreichtum des Bühnenbildners und der Regie, was ausgiebig bejubelt wurde.(...)Dem Wiener Ensemblen glückt ein humorvolles Spiel, das weitgehend auf dümmlichen Körperslapstick verzichten kann und stattdessen auf präzise Wortwechsel setzt. Herausragend hierbei Gregor Bloéb als leidlich begabter Schauspieler Josef Tura,(...). Auch die Nazi-Witzfigur Erhardt wird von Martin Zauner mit der adäquaten Mischung aus Brutalität und Weinerlichkeit gespielt.
(APA)