Als Poirot ist Siegfried Walther zu sehen. Er legt den Detektiv durchaus als Peter-Ustinov-Hommage an, die herablassend-hochnäsige Art, die Poirot mitunter auch unterläuft, wird von Walther zurückgeschraubt auf ein liebenswertes Maß. Überhaupt ist die Inszenierung von Werner Sobotka schwarzhumorig und mit einer Liebe für die reichlich vorhandenen Schrulligkeiten der handelnden Personen angelegt. Das merkt man der Spielfreude des Ensembles dann auch an: Ulli Maier brilliert als schmuckbehängte Amerikanerin mit beachtlicher Ehegatten-Historie - forsch und immer auch ein bisschen anlassig. Marianne Nentwich gibt die alte Prinzessin Dragomiroff knochentrocken. Daneben schillert ihre Reisebegleitung Therese Lohner als Greta Ohlsson in überdrehter Hysterie. Michaela Klamminger ist eine mondäne Gräfin Andrenyi, Alexandra Krismer eine kecke Mary Debenham, Johannes Seilern unterstützt Poirot als Eisenbahnmanager Bouc mit einigem Galgenhumor. Paul Matic grenzt seine Doppelrolle als Mordopfer Ratchett (mafiös lallend) und Oberst Arbuthnot (fast immer gefasst) gekonnt voneinander ab, so wie auch Markus Kofler als schnippisch-gehetzter Hotelkellner und als eilfertiger Schaffner. Schön anzusehen ist das Bühnenbild von Walter Vogelweider. Auch optisch also eine Inszenierung, die genau das bietet, was man erwartet. Was bei einem Agatha-Christie-Krimi keineswegs ein Nachteil sein muss: Denn die sind ja auch dafür bekannt, dass man exakt das bekommt, was man erwartet. Ein programmierter Publikumserfolg - und schon jetzt großflächig ausverkauft.
(Wiener Zeitung)
Der Bühnenbildner Walter Vogelweider verleiht dem engen, sprich dramatisch verdichteten Tatort mittels Längsschnitten durch putzige Wagons eine gemütliche, winterlich-warme Atmosphäre. Siegfried Walther stattet den guten Mann mit aller Historizität aus, die Christies Held von Anfang an zu eigen war. Der Belgier pflegt den honettesten Umgang mit seinen Reisegefährten, und es gelingt ihm, mindestens genauso sehr wie der eingestreuten Filmmusik, mit seiner akkuraten Intonation dramatische Stimmung zu erzeugen. Sein "Rrrrrache" und sein "Trrrragödie" sowie seine Bekennerlaute auf Französisch lassen keine Wünsche offen. Ein Theaterabend für kalte europäische Winterabende.
(Der Standard)
Werner Sobotka hat in Walter Vogelweiders sehr wandelbarem Bühnenbild und den schön-nostalgischen Kostümen von Elisabeth Gressel alles richtig gemacht. Er konzentrierte sich ganz auf die Zeichnung der vielen skurrilen Charaktere. So ist Siegfried Walther ein köstlich-indignierter Poirot mit dem Spürsinn für das gewisse Etwas, Marianne Nentwich eine grandios-noble Prinzessin Dragomiroff. Ein Gustostück liefert Ulli Maier als fluchend-lüsterne Mrs. Hubbard ab; exzellent agieren auch Therese Lohne als bigotte Greta, Martin Niedermair, Paul Matic und Markus Kofler. Alexandra Krismer, Johannes Seilern und Michaela Klamminger stehen ihnen um nichts nach. Ein Fest der Schauspieler.
(KURIER)
Agatha Christies berühmter Kriminalroman "Mord im Orientexpress" in der Fassung des amerikanischen Dramatikers Ken Ludwig ("Otello darf nicht platzen") als deutschsprachige Erstaufführung wird wohl die Kassen der Josefstadt zum Klingeln bringen. Zu verdanken ist der Erfolg in erster Linie dem Komödientempo-geeichten Regisseur Werner Sobotka, der den vor allem aufgrund seiner exzellenten Verfilmungen sattsam bekannten Krimi auch auf der Bühne mit filmischen Mitteln unterfüttert hat, ohne dabei jedoch den sehr viel eingeschränkteren Schauplatz Theater zu verraten. Walter Vogelweider hat einen eleganten After-Eight-grünen Zug auf die Drehbühne der Kammerspiele gestellt. Das Kolorit der Zwischenkriegszeit, ein bisschen Pelz, Glamour und Tweed, repräsentieren zudem die Kostüme von Elisabeth Gressel, die wenigen Videos (Jan Frankl) atmen ebenso den Charme der Stummfilmära. Josefstadt-Veteran Siegfried Walther zeichnet den Detektiv Hercule Poirot um einiges sympathischer und zuvorkommender, als die Romanfigur und auch die Film-Alter-Egos vorgeben. Eine gute Entscheidung und eine durchaus glaubwürdig repräsentierte Behauptung! Spaß macht zudem das ungleiche Gespann der Marianne Nentwich (Prinzessin Dragomiroff) und Therese Lohner (Greta Ohlsson), lustvoll alle Register ziehend verkörpert Ulli Maier die mondäne Mrs. Hubbard. Werner Sobotkas offensichtlich sehr genaue, auf exaktes Timing bedachte Schauspielerführung, immer im Verein mit Darstellern, die ihm da zu folgen in der Lage sind, lässt wirklich dichte und dadurch komödiantisch punktgenaue Szenen entstehen. Genussvoll zu beobachten bei Johannes Seilern als Chef der Zuggesellschaft oder bei Paul Matic, der sowohl als Mordopfer Samuel Ratchett wie in der Rolle des trockenen Oberst Arbuthnot überzeugt. Ihnen stehen Alexandra Krismer (Mary Debenham) oder Michaela Klamminger als frisch-forsche ungarische Gräfin in nichts nach. Martin Niedermair und Markus Kofler komplettieren ein Ensemble, dessen erfreuliche Spiellaune für einen gelungenen Theaterabend sorgt.
(Tiroler Tageszeitung)
In einem formschönen Bühnenbild von Walter Vogelweider punktet Siegfried Walther mit belgischer Schrulligkeit, verblüfft Paul Matic als zwielichtiger Reisender und jammert Therese Lohner zum Steinerweichen als idealistisches Kindermädchen.
(Die Presse)
Eine unterhaltsame Boulevardkomödie in ausnahmslos beachtlicher Besetzung mit einem schlauen Bühnenbild von Walther Vogelweider.
(Kronen Zeitung)