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Kammerspiele der Josefstadt
Premiere: 26.02.2026

Moritz Rinke

SOPHIA oder Das Ende der Humanisten

Uraufführung

ca. 2 Stunden, 50 Minuten (Pause nach ca. 75 Minuten)

Wir leben in einer Welt der Unbewussten, da fällt ein künstliches Bewusstsein gar nicht auf.

Dem Altertumswissenschaftler Wolfgang Bergmann scheint die Welt zu entgleiten: Studierende und Universität haben sich von ihm abgewandt, seine Frau Marianne hat ihn vor Kurzem verlassen. Doch schon bald tritt Sophia in sein Leben: klug, schnell, bedingungslos zugewandt - eine humanoide Roboterfrau! Helena, Wolfgangs Tochter, ist entsetzt. Eigentlich wollte sie den 60. Geburtstag ihres Vaters nutzen, um die Eltern wieder zusammenzubringen. Stattdessen steht sie einer jüngeren, makellos-künstlichen Version ihrer Mutter gegenüber. Ihr neuer Freund Jonas, studierter Informatiker, zeigt sich hingegen sofort fasziniert von Sophias Perfektion. Auf Wolfgangs Wunsch hin, Sophia noch ein wenig zu „optimieren“, macht er sich nur zu gern an ihrem System zu schaffen. Mit Folgen! Sophia beginnt zu lernen. Und sie lernt schnell. Bald wirkt sie nicht nur menschlicher als alle anderen, sondern beginnt, sich sogar selbst Befehle zu geben.

Moritz Rinke stellt in seinem neuesten Theaterstück die vielleicht entscheidende Frage: sind Humanoide nur so lange die besseren Menschen, so lange sie uns nicht zu ähnlich werden?

„Als ich die erste Idee hatte, dachte ich, ich schreibe eine Science-Fiction-Komödie. Doch jetzt, da SOPHIA oder Das Ende der Humanisten bald auf die Bühne kommt, ist es wohl eher ein Stück über unsere Gegenwart geworden. Die Künstliche Intelligenz verändert unser Leben mit atemberaubender Geschwindigkeit. Und es wird nicht mehr lange dauern, bis wir tatsächlich mit ihnen zusammenleben – mit Maschinen, die so menschenähnlich werden, dass wir nicht mehr wissen, wo die Grenzen verlaufen.“
Moritz Rinke

Die Uraufführung von Moritz Rinke erwies sich in Amélie Niermeyers Inszenierung als kurzweilige Roboter-Komödie. Eigentlich klingt es wie eine Episode "Black Mirror". Doch statt mit trockener Science-Fiction verarbeitet "SOPHIA" die Schattenseiten moderner Technik mit Situationskomik im Wohnzimmer. Weil es in der Ehe von Professor Wolfgang (Joseph Lorenz) nicht mehr rund läuft, soll die per Agentur bestellte Roboterdame Sophia (Silvia Meisterle) das Leben des Geisteswissenschafters wieder auf die Reihe bringen. Nur Tochter Helena (Alma Hasun) ist das zum Geburtstag des Vaters nicht geheuer, als sie den Schwiegersohn in spe (Nils Arztmann) vorstellen will. Meisterle spielt sichtlich motiviert wie eine lebendig gewordene Alexa-Sprachassistentin, die mit guter Miene Wikipedia-Floskeln plappert und maschinenartig über die Bühne stolpert, bevor sie im zweiten Akt den melancholischen Roboter gibt. In den Dialogen verleiht aber oft der abgehobene Professor den Szenen den nötigen Schwung. Zumal der Vater besonders mit dem nerdigen Schwiegersohn harmoniert, der besessen von der neuen Cyborg-Gemahlin ist. Das Stück regt - auch mit den Witzen - gelegentlich durchaus zum Nachdenken über moderne Technik an. Eine hohe Dichte an gut abgestimmten Pointen.
(APA)

Alexa war gestern. Das Zeitgeist-Modell Sophia schlägt nicht nur bei Geschichtsdaten und Literaturzitaten jeden Human-Profi, sondern spielt auch besser auf der Klaviatur der Gefühle. Der alte Humanist auf Technik-Trip wird nicht müde, die neue künstliche Lebensgefährtin in all ihren Vorzügen anzupreisen: Das kriegt Joseph Lorenz fein hin, er spielt den Wissenschaftler in einer charmanten Mischung aus Weltfremdheit und sozialer Vereinsamung. Einer wie er kann schon gut auskommen mit einem gutwilligen, gesprächsbereiten Kunst-Wesen. Silvia Meisterle ist Sophia, die mit liebenswerter Selbstverständlichkeit all die kleinen Fehler dieses Wunder-Kunstwesens zelebriert. Amélie Niermeyers Regie setzt auf präzises Timing.
(nachtkritik.de)

Silvia Meisterle überzeugt als Roboter Sophia, eine fabelhafte Performance.
(Der Standard)

Was wie eine leichte Boulevard-Komödie beginnt, wird immer mehr zum Thriller. Rinke verwebt den Pygmalion-Stoff mit Elementen von „Blade Runner“ und beklemmender Realität. Joseph Lorenz geht in seiner Figur auf. Er ist besessener Gelehrte, der seine Schrullen pflegt, wie seine absolute Überzeugung, dass er der Gescheiteste ist. Jeder habe sich ihm zu fügen. Deshalb hat er sich eine Frau nach seinen Vorstellungen geschaffen. Silvia Meisterle verkörpert diese Gestalt in allen Phasen mit einzigartiger Virtuosität. Sie ist diese Puppe, die glaubhaft an Stufen stößt, gegen Wände rennt und mit einer Computerstimme Romane aufsagen könnte. Sophia wird rasant selbständiger, ahmt die Menschen nach, zeigt Emotionen. Je ähnlicher sie den Menschen wird, umso mehr sehen sie in ihr eine Bedrohung. Meisterle vollzieht diese Wandlung subtil. Alma Hasun und Nils Arztmann formieren das sympathische junge Paar mit absoluter Glaubwürdigkeit. Am Ende bleibt ein mulmiges Gefühl. Denn ob Helenas Mutter oder Sophia zum Professor zurückkehrt, ist Interpretationssache. Ein idealer Schluss für eine Komödie, die den Umgang mit der KI seines Vertrauens überdenken lässt. Das Publikum jubelte zurecht.
(KURIER)

Joseph Lorenz fühlt sich sichtlich wohl in der Rolle Wolfgangs, einst Professor für Alte Geschichte, der nicht nur von seiner Frau verlassen, sondern auch in Frühpension geschickt wurde. Statt in Selbstmitleid zu versinken, hat er sich eine neue Gefährtin angeschafft: die „perfekte Frau“, in Gestalt einer menschenähnlichen Maschine namens Sophia. Gespielt wird sie, mit bewundernswerter Präzision, von Silvia Meisterle. Alma Hasun gibt die sichtlich entsetzte, leicht hysterische Tochter, im Gegensatz zu ihrem Freund Nils Arztmann, der Systemeinstellungen am Androiden ändert – denn der Professor wünscht sich auch physische Nähe. Daraufhin gerät das Experiment – wie sich erahnen lässt – außer Kontrolle, denn Sophia lernt und verbessert sich mit zunehmend menschlichem Kontakt. Rinkes Stück überträgt diese Entwicklung in die physische Präsenz eines Roboters. Das ist plakativ, aber publikumswirksam.
(Die Presse)

Eine beeindruckende, mechanische Schauspielleistung von Silvia Meisterle in der Roboter-Hauptrolle.
(Kronen Zeitung)

Rinke fallen viele Scherze ein, die sich teils aus den unüberlegten Wünschen und Männerphantasien des Professors ergeben, teils aus den Unehrlichkeiten der jungen Leute, teil aus den Eigenheiten der Kommunikation mit KI. Sophia fließt über vor unnützem Wissen, zerpflückt die Interaktion wie die mitgebrachten Blumen. Sophia denkt zunächst abstrakt, ohne viel Gefühl für die Situation, sie arbeitet Vokabelwissen ab, ohne Begriff. Allmählich wird sie ihren Mitintelligenzen aber ähnlicher, nicht weil sie klüger würde, sondern weil sie sich anmutiger bewegt und ein Gehör für Zwischentöne entwickelt. Genauer: Ein Gehör für Zwischentöne simuliert und einen erweiterten Sinn für eigene Handlungsmöglichkeiten beweist. Joseph Lorenz gibt den selbstverliebten und selbstmitleidigen Professor mit einem Hauch Simonischek. Alma Hasun, die Tochter, platzt zunächst fast vor zeternder Empörung über den Alten, weshalb die Frage aufkommt, ob es der Prosecco war, der sie im zweiten Teil beruhigt, im dritten gar zärtlich werden lässt. Ihren in seiner Rolle etwas unsicheren Freund spielt Nils Arztmann exakt so. Im Zentrum des Abends steht selbstverständlich die algorithmisch animierte Puppe. Silvia Meisterle als Sophia holt sich vom vielen Applaus den lautesten.
(FAZ)

Regie
Amélie Niermeyer

Bühnenbild
Christian Schmidt

Kostüme
Stefanie Seitz

Musikalische Leitung
Imre Lichtenberger Bozoki

Choreographie
Daniela Mühlbauer

Videodesigner
Tobias Jonas

Dramaturgie
Silke Ofner

Licht
Sebastian Schubert

Wolfgang, 60 Jahre alt
Joseph Lorenz

Helena, seine Tochter, um die 30
Alma Hasun

Jonas, Helenas Freund, um die 30
Nils Arztmann

Sophia, seltsam alterslos
Silvia Meisterle