Die Kammerspiele der Josefstadt haben zu ihrer langjährigen Bestimmung zurückgefunden. "Letzte Runde" von Peter Danish, 2025 mit großem Erfolg am Off-Broadway uraufgeführt, hat sich am Donnerstag bei der Österreichischen Erstaufführung durch Guy Ben-Aharon als eines jener Edelboulevardstücke entpuppt, für die die Bühne lange bekannt war. Eine Konfrontation von Leonard Bernstein und Herbert von Karajan in der Blauen Bar im Hotel Sacher gehört an diesen Ort, keine Frage.
(APA)
Ein Stück braucht eben eine Konstellation, und der folgt der israelisch-amerikanische Regisseur Guy Ben-Aharon tadellos: Pointengenau bedient von Alexander Strömers Barkeeper, erzielen Michael Dangls Karajan und Günter Franzmeiers Bernstein mit präzise überzeichnenden Virtuosenstücken größtmögliche Annäherung an die gigantischen Originale.
(Kronen Zeitung)
Man wirft sich Nettigkeiten an den Kopf: Dass der jeweils andere die Musik zu Tode schmirgle (Bernstein über Karajan), „als würdest du ein Auto polieren“. Umgekehrt räumt Karajan irgendwann ein, sich für sein Verhalten im Dritten Reich – eisernes Mitläufertum – aufrichtig zu schämen. Vom Kellner abgesehen, ist noch ein unsichtbarer Vierter im Raum (Ausstattung: Christina Todesco) mit den blasenleidenden Vital-Greisen, der Tod. Doch bevor es so weit ist – Karajan starb 1989, Bernstein im Jahr danach –, spielt der Herr von und zu auf dem Yamaha-Flügel echten Bernstein: „Someday, Somewhere“. Mit diesem prächtigen Importstück, das im 2025 uraufgeführten Original Last Call heißt, ist den Komödiensachwaltern von Neo-Direktorin Marie Rötzer ein erster Coup geglückt.
(Der Standard)
Michael Dangl macht sich gut als HvK. Von hinten, mit etwas Schlaglicht (das Karajan so liebte), dem unvermeidlichen zweiten Pullover über den Schultern, mit dem Griff ins gepflegte Haar und der Körperspannung kommt er dem Original verdammt nahe. Vielleicht ist die Aussprache etwas zu zackig. Günter Franzmeier agiert mit einem ähnlich knappen Arsenal an vier, fünf Gesten, die für Bernstein typisch waren. Da diese aber überlebensgroß wirken und die von Karajan/Dangl reduziert, ermüden sie schnell. Der seltsam norddeutsche Akzent, den der Oberösterreicher Franzmeier Lenny gibt, passt auch nicht ganz. Kellner Michael (Alexander Strömer) sorgt für eine gute Dosis Wiener Humor, ohne dass es zum Klamauk wird. Das Ende ist so kitschig wie Bernsteins Mahler – was aber den 90 Minuten guter Unterhaltung nicht abträglich ist.
(Die Presse)
Arglos zu Beginn, entwickelt der neunzigminutige Abend eine überzeugende Dynamik. Musikgeschichte (mehr oder weniger bekannter Fakten) und persönliche Entwicklungen (so nicht belegt) werden hier in einen klugen und unterhaltsamen Abend gepackt, der gut in die Kammerspiele passt. Das Setting: eine plüschige Bar, die dem Vorbild nahekommt (Bühne: Cristina Todesco). Bernstein, bereits recht zerzaust, wird von Günter Franzmeier als zappeliges Genie dargestellt, in der einen Hand eine Zigarette, in der anderen ein Glas Ballantine's. Karajan hingegen, von Michael Dangl großartig entschlossen, gefasst und zugleich menschelnd gezeichnet, trinkt Tee und bereitet sich auf Brahms' 1. Symphonie vor, die er ja erst 161 Mal dirigiert hat.
(KURIER)