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Theater in der Josefstadt
Premiere: 17.12.2015

Arthur Schnitzler

Anatol

ca. 2 Stunden, eine Pause

In der Fassung von Peter Turrini und Herbert Föttinger treffen einander die Freunde Anatol und Max wieder und erinnern sich gemeinsam an Anatols amouröse Abenteuer.

Kaum ein Drama der Wiener Moderne hat das geistige Klima des Fin de Siècle so nuancenreich eingefangen wie Arthur Schnitzlers berühmtes Erstlingswerk Anatol. Die Einaktersammlung, die Ende 1892 erstmals in Buchform erscheint, markiert sogleich einen Höhepunkt im dramatischen Schaffen Arthur Schnitzlers: Sie exponiert nahezu alle Themenkomplexe seines Gesamtwerks.

Schnitzlers Protagonist gibt sich als wohlhabender Junggeselle zu erkennen, der die Lebensgewohnheiten der Wiener Oberschicht verachtet und deren Wertmaßstäbe konsequent ignoriert, obwohl er selbst als begüterter Rentier der aus Aristokratie und Bourgeoisie zusammengesetzten leisure class angehört. Während seine Standesgenossen Repräsentationsaufgaben anstreben und öffentlichen Einfluss zu gewinnen versuchen, zieht sich Anatol ins Private zurück und kultiviert das flüchtige amouröse Abenteuer, das ihm in beständigem Wechsel junge Frauen aus der Vorstadt und aus der Boheme, gelegentlich indessen auch sexuell frustrierte Damen aus dem großbürgerlichen Salon zuführt. Das leidenschaftliche, gleichwohl von Beginn an zeitlich begrenzte Liebesspiel drückt Anatols Protest gegen den vom ökonomischen Geist der Gründerzeit geprägten Lebensstil aus. Zugleich offenbaren die Liebesbegegnungen jedoch auch sein widersprüchliches Glücksverlangen und seine Sehnsucht nach existenzieller Sinnerfahrung. Schnitzlers Protagonist verkörpert das um die Jahrhundertwende immer wieder geschilderte Lebensgefühl des "impressionistischen" Menschen.
Thorsten Valk

Föttinger hatte eine Königsidee: Er besetzte das Stück mit zwei alten Herren - Michael König als Protagonisten und Peter Matić als dessen Freund Max. Andrea Jonasson erscheint als Gabriele in den "Weihnachtseinkäufen". Diese Gabriele übertrifft die legendäre Paula Wessely in dieser Rolle. Jonasson verbindet virtuos die Dame des 19. Jahrhunderts mit einer aus der Gegenwart.
(Die Presse)

Die Damen haben das Sagen. Königs Anatol changiert wie die Seidendessous zwischen denen er sich beweg. Dieser Anatol nimmt im amourösen Rollenspiel mit Begeisterung die des Opfers ein. Katharina Straßer gibt die Annie als grandiose "Fehlbesetzung" in Adidas-Buxe und mit Pudelhaube, ohne hart antrainierter Ballerina-Attitüde, sondern als lustig-aggressive Prolet-Berserkerin. Sie spielt ein Vorstadtkabarettstückchen. Sandra Cervik ist als Ilona die elegante Domina-nte, die dem Herrn einen Herrn zeigt.
(Mottingers Meinung)

Peter Matić zeigt als Max mit diskreter Präsenz eine unnachahmliche Schnitzler-Figur, einen verschmitzen Sir. Andrea Jonasson erteilt als Gabriele eine Lektion perfekter Schnitzler-Interpretation.
(Wiener Zeitung)

Mit der Demontage der Borniertheiten von vor 100 Jahren ist dem Wiener Josefstadt-Theater ein Kunststück gelungen: Schnitzlers "Anatol" erstrahlt in neuem Glanz. Gefeiert wird ein Sieg des weiblichen Prinzips. Anatol (Michael König) ist rapide gealtert. Zusammen mit dem Stichwortgeber Max (Peter Matić) sitzt er als außer Dienst gestellter Salonlöwe am Tischchen und raucht. Turrini und Föttinger haben die Szenen erfrischend neu zusammengehängt. Die "süßen Mädeln" sprühen vor Säure.
(Der Standard)

Regie
Herbert Föttinger

Bühnenbild
Walter Vogelweider

Kostüme
Alfred Mayerhofer

Choreografie
Simon Eichenberger

Choreografische Assistenz
Steven Seale

Dramaturgie
Ulrike Zemme

Licht
Emmerich Steigberger

Musik und Musikalische Leitung
Christian Frank

Klavier
Johanna Gröbner

Cello
Rina Kaçinari/(Sophie Abraham)

Klarinette
Mona Matbou Riahi

Anatol
Michael König

Max
Peter Matić

Fritzi
Swintha Gersthofer

Else/Ilona
Sandra Cervik/Martina Stilp

Emilie
Julia Edtmeier

Annette
Karoline Kucera

Berta
Maria Urban

Bianca
Salka Weber

Cora
Alma Hasun

Annie
Katharina Straßer

Gabriele
Andrea Jonasson

Ein Kellner/Franz, Diener
Pavel Strasil