In den Kammerspielen - die Bühne von Walter Vogelweider als aseptisch sauberer Gerichtssaal - überrascht Regisseur Julian Pölsler mit einer Art inszenatorischem Coup, indem er alle sieben Rollen weiblich besetzt. Als Vorsitzende führt Julia Stemberger souverän durch die Verhandlung; Susa Meyer agiert als Staatsanwältin routiniert; Martina Stilp-Scheifinger ist eine überzeugende Verteidigerin; Alexandra Krismer ein besonnener Offizier mit strengem Scheitel, und Pauline Knof als angeklagter Kampfpilotin Lara Koch sieht man die Konzentration und Anspannung von der Verlesung der Anklageschrift bis zur Urteilsverkündung förmlich an. In Schirachs Vorlage behauptet sich die Staatsanwältin gegenüber einer Männerriege - durch das weibliche Wiener Ensemble konzentriert sich die Handlung noch intensiver auf den eigentlichen Fall, da jedes zwischengeschlechtliche Intermezzo wegfällt. Überhaupt vertraut die Inszenierung dem Text, scheut nicht vor einer gewissen Nüchternheit zurück, die Gerichtsdramen häufig mit sich bringen. Ohne große Regiesetzungen wird die Verhandlung betont sachlich dargeboten. Das verdichtete Kammerspiel macht sich bezahlt: Dem Ensemble gelingt es juristisch komplexe Fragen fesselnd zu verhandeln.
(Wiener Zeitung)
Als nuanciertes Spiel für ein vielschichtiges Damenensemble hat Julian Pölsler das Gerichtsdrama "Terror" in den Wiener Kammerspielen inszeniert. Verblüfft stellt man fest, dass in dieser überraschend melancholischen Version Terror kaum etwas anderes ist als eine verfassungspatriotische Ausgabe von Schillers Maria Stuart. Die wichtigste Frau im Amazonenland heißt Justitia. Ihre Statue wacht mit Schwert und Waage über den gedeihlichen Fortgang der Verhandlung, in der alle menschlichen Aspekte verdampft scheinen. Pölslers Inszenierungscoup liegt in der finalen Umdeutung des schematischen Stücks. Es endet als Requiem auf die (fiktiven) Opfer. Deren Namen und Lebensdaten drücken stellvertretend aus, was keine noch so gewitzte Kasuistik darzustellen vermag; 164 individuelle Leben. Der Jubel galt solchen feinen Bedeutungsverschiebungen.
(Der Standard)
Das Gerichtssaaldrama "Terror" des Autors Ferdinand von Schirach wird vom namhaften Filmregisseur Julian Pölsler einer Spezialbehandlung unterzogen: Es spielt im neutralen Raum, und sämtliche Mitwirkende sind Frauen. Letztgenannte Maßnahme hat den Vorteil, die zwischendurch arg juristischen-theoretische Angelegenheit zu emotionalisieren. Diesen Schwebezustand zwischen der Abstraktion eines rechtsphilosophischen Seminars und geschickt elaborierten Emotionen herzustellen, ist nicht einfach, gelingt den mitwirkenden Schauspielerinnen aber eindrucksvoll. Ein sehenswerter Abend!
(Kronen Zeitung)
Der österreichische Filmregisseur Julian Pölsler hat an den Kammerspielen Schirachs Gerichtsthriller ausschließlich mit Schauspielerinnen, einem formidablen Damen-Ensemble, besetzt. Das weist den grandiosen Personenführer Pölser aus. Julia Stemberger als Richterin und Pauline Knof als Angeklagte Lara Koch haben sich durch ihr ausdrucksstarkes Spiel und ihre Bühnenpräsenz ins Zentrum des Ensembles manövriert.
(News.at)
Regisseur Julian Pölsler inszenierte hier ein überaus starkes Frauenpower-Ensemble, das völlig ohne männliche Mitwirkung auskommt. Pauline Knof als Kampfpilotin Lara Koch von einer ganz neuen Seite, hinreißend besonnen Susa Meyer, stark und am Punkt Martina Stilp-Scheifinger, taff und höchst professionell Julia Stemberger, großartig Alexandra Krismer und Silvia Meisterle berührend. Walter Vogelweider rückt Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit, als mächtige Steinskulptur in den Mittelpunkt der kargen Gerichtssaal-Bühne und erinnert den Zuseher somit immer wieder (bewußt oder unbewußt) daran, das Gesetz und nicht den "Hausverstand" entscheiden zu lassen.
Ein höchst gelungenes Justiz-Spiel mit einem außergewöhnlich gut formierten Damen-Ensemble. Sehenswert!
(heute.at)