Pressestimmen
Alexandra Liedtke inszeniert Arthur Schnitzlers Dreiakter mit Einfühlungsvermögen und Wissen ums Detail. Ein durchaus gelungener Saisonauftakt.
Auch dieses Finale einer durchaus gelungenen Premiere beweist Einfühlungsvermögen und Wissen ums Detail.
Teichtmeister und Mayer meiden dabei das Extrem. Manisch-depressiv ist Fritz hier nicht, und eine Mizi könnte man auch richtig schamlos spielen. Hier hält sie sich zurück. Stein hingegen neigt als Filou zwar ein wenig zur Übertreibung, sein Theo wirkt dennoch authentisch. Therese Lohner spielt eine aufdringliche Nachbarin so hart wie abgespannt, aber das passt zur Kühle hier. Hasun sind die anfänglichen Szenen, in denen es noch schüchtern Hoffnung zu geben scheint, für eine Affäre, die Leidenschaft ahnen lässt, besser gelungen als darauf folgende Passagen sich anbahnender Tragik – außer wenn sie von einem alten Meister wie Schenk liebevoll begleitet wird. Tritt der nämlich auf, als gütiger, wissender Kleinbürger, der seiner Tochter das kleine bisschen Glück gönnt, wird Schnitzlers Ton genau getroffen.
(Die Presse)
Liedtke inszeniert in ihrer vage im "Damals" verorteten Arbeit, wie man es von ihr gewohnt ist: Genau und unaufgeregt. Die Beziehungen und Konflikte werden in aller Ruhe untersucht. Dabei gelingen packende Momente. Der stärkste: Wenn Fritz (Florian Teichtmeister) und der von ihm gehörnte „Herr“ (Alexander Strobele) wie zwei Gespenster aufeinandertreffen, um ein Duell zu vereinbaren, das beide nicht wollen.
Großartig gelingt auch die Schluss-Szene: Christine (Alma Hasun) hat erfahren, dass ihr Geliebter im Duell wegen einer anderen gestorben ist und läuft davon, vermutlich, um sich das Leben zu nehmen. Ihr alter Vater (Otto Schenk) bleibt zurück, mehr als das Warten auf den Tod hat ihm das Leben nicht mehr zu bieten. Schenk spielt das großartig, mit kleinen Gesten und zarten Zwischentönen.
Matthias Franz Stein ist ein herrlich öliger, pragmatischer Theodor, Eva Mayer eine großartig desillusionierte, erotisch unterforderte Mizi. Sehr stark ist auch Therese Lohner als vom Leben hart geklopfte Frau Binder, die anderen das Glück nicht gönnt, das sie selbst nie hatte.
Fazit: Auf der sich sehr geschickt durch die Schauplätze drehenden Bühne läuft eine hoch anständige Schnitzler-Studie ab, der es zum ganz großen Wurf nur an Geheimnis, an Gefährlichkeit, fehlt.
(Kurier)
Eine Pensionierung hat er nicht zu befürchten: Otto Schenk, Jahrgang 1930, ist eben das Zugpferd des Theaters in der Josefstadt. Man will ihn granteln sehen. Und es geht einem das Herz auf, wenn er liebevoll, gütig ist.
Gegen Schluss von Arthur Schnitzlers Liebelei, mit der am Donnerstag die Saison eröffnet wurde, steht er einen Moment lang einsam und verzweifelt auf der Bühne. "Sie weiß noch nichts, sie weiß noch nichts", sagt er. Wie soll, wie kann er seiner Tochter Christine, die er Tini ruft, erklären, dass ihr Liebster im Duell erschossen wurde? Er druckst herum, er beschwört die Schönheit des Lebens. In diesem berührenden Monolog, fast schon ein Gestammel, offenbart Schenk die Tragödie des Hans Weiring. Alma Hasun agiert als Christine mit natürlichem Charme und unschuldigen Blicken. Alexander Strobele als gehörnter Ehemann, der von Don Juan Satisfaktion fordert, ist ein respekteinflößender Steinerner Gast. Und Matthias Franz Stein geht in der Rolle von Fritzens Freund Theodor als Döblinger oder Hietzinger Schnösel geradezu auf: Man würde ihm, diesem miesen Weiberhelden, am liebsten eine tuschen.
(Der Standard)