APA
"Auch wenn Haugs Fassung aktuelle Themen wie die "Manosphere" (die jungen Männer unterhalten sich ausführlich über die rote, blaue und schwarze Pille), Künstliche Intelligenz als potenzielle Übermacht (über allem schwebt der projizierte KI-Fürst) oder das sinnlose Sterben aufgrund festgefahrener Konflikte thematisiert, bringt die ausführlich eingesetzte Fäkalsprache (Julia: "Du penisamputierter Kacksack!") den Rhythmus des bildgewaltigen Abends immer wieder aus dem Gleichgewicht."
Die Presse
“Dabei hebt alles ungewohnt dystopisch an: Verona ist heruntergekommen, das Fest findet in einem ausrangierten Wohnwagen statt. Er dient auch als Lorenzos Zelle und bleibt, von hölzernen Sitzreihen und Gerüsten abgesehen, das einzige Ausstattungsstück (Bühne: Nina Peller). Der Fürst ist auf einen KI-Doppelkopf mit KI-Stimme reduziert, seine hohlen Phrasen vom Frieden stoßen auf taube Ohren. Die männliche Jugend schwingt keine Degen, sondern sticht mit Messern – die Kampfszene, in der Tybalt den Mercutio tötet, ist der handwerkliche Höhepunkt des Abends. Aber so wie das Verspielte ins Verblödelte tendiert, so auch das Ernste ins Sentimentale: Am Riesengesicht des KI-Fürsten kullern knallrote Tränen herab.”
Der Standard
"Gott meldet sich nur, wenn man deutlich funkt", sagt Pater Lorenzo. Also es war keine Erleuchtung, aber es hat gefunkt.
Kurier
“Das Josefstädter Abo-Publikum wird es lieben, ganz besonders die entscheidende Nachtigall-Lerche-Szene von Seide Noffke (zu Beginn mit „Beast“-Augenbinde) und Leonard Dick (beim ersten Treffen mit Shakespeare-Maske und Clown-Nase): Man kriegt auch sie nur auf dem Screen serviert. Versöhnlich ist zumindest der Schluss – mit „The End“ der Beatles, angeblich inspiriert von Shakespeare, aus 1969 als Coverversion.”
Krone
“Dass hier die wohl poetischste tragische Liebesgeschichte der Weltliteratur erzählt wird, geht in so viel Modernitätsgetöse völlig unter. Lichtblick in einem mittelmäßigen Ensemble sind ein paar neue junge Gesichter. Darunter Samuel Simon als geschmeidiger Benvolio oder Nikolai Gemel, der als lässiger Mercutio überzeugt. Letzterer ist ebenso neu im Ensemble der Josefstadt wie Leonard Dick, der den Romeo mit leidenschaftlicher wie jugendlicher Ernsthaftigkeit ausstattet. Seide Noffke als Julia bleibt in ihrer trotzig kühlen Intensität eintönig.”