Pressestimmen
Sehenswert ist das Furioso im Schlagabtausch durch das Ensemble, das – im kargen Ambiente mit Acrylglas-Z-Stühlen, Blumenvasen mit Tulpen und einer Skulptur – Zorn, Frust, Boshaftigkeit und Selbstmitleid exhibitioniert. Ein großartiger Michael Dangl als blasiert-gelangweilter Anwalt und Zyniker.
(KURIER)
Judith Rosmair spielt Veronique mit einer dosiert überschäumenden Hysterie, Marcus Bluhm ihren Mann Michel lakonisch und mit subtiler Brutalität. Michael Dangl ist ein glatter Jurist, dessen Primitivität sich ab und zu Bahn bricht, etwa wenn er Krückenträger verhöhnt. Hinreißend ist aber vor allem Susa Meyer als Annette, deren eruptive Unzufriedenheit nicht nur die armen Tulpen in Bewegung bringt.
(Wiener Zeitung)
Michael Dangl pflegt das Macho-Gehabe des John-Wayne-Jüngers Alain Reille überzeugend. Marcus Bluhm: toll. Ihr Gutmenschentum hindert Judith Rosmair als Véronique nicht daran, sich die Haare zu lösen und mit den Augen an ihm kleben zu bleiben, wenn er nackt aus der Dusche kommt. Susa Meyer ist als Karrierefrau famos nobel und von der erzieherischen Aufgabe genauso angeödet wie ihr Mann.
(Der Standard)
Vier prächtige Darsteller für Yasmina Rezas ätzendes Erfolgsdrama. Michael Bluhm als der bullige Kleinunternehmer Michel Houillé, der seiner Frau Véronique verbieten will, dass sie Rum trinkt. Körperhaltung und Blicke des Paares deuten an, dass sich hier ohne Worte ein langerprobtes Drama des Alkoholismus abspielt. Zwei der Besten in der Josefstadt komplettieren die kongeniale französische Versuchsanordnung: Michael Dangl spielt mit aggressiver Lust Alain Reille, Susa Meyer seine Frau Annette.
(Die Presse)
Vier großartige Schauspieler stehen einander mit ihrem wohldosierten Komödiantentum gegenüber, blitzschnell erfolgen die Wechsel vom Geschlechterkampf zu den jeweiligen Ehekriegen, die Bündnispartner verraten einander für einen Witz, die Männer träumen Bubenfantasien, die die Frauen naturgemäß nur belächeln können, doch brechen die Koalitionen in Sekunden und es beginnt die paarweise Zerfleischung. Dann wieder ein provisorischer Boden über dem Abgrund: Smalltalk, Schöntun, ein Seien-doch-wenigstens-wir-vernünftig. Michael Dangl gibt den Rechtsanwalt Alain ruppig-blasiert, Marcus Bluhm den cholerisch-kumpelhaften Haushaltswarenhändler Michel. Judith Rosmairs politisch korrekte Schriftstellerin Véronique trifft auf Susa Meyers desillusionierte Vermögensberaterin Annette, Mittelklasse auf Upper Class. Vor allem Susa Meyer beherrscht die Kunst zwischen den Aggregatzuständen zu wechseln. Und auch Judith Rosmair changiert zwischen bemühter Toleranz und allmächtiger Verachtung, wunderbar die Momente, in denen sie aus dem Weltverbesserungsmodus entgleist. An der Josefstadt zeigt sich "Der Gott des Gemetzels" einmal mehr als Klassiker des gehobenen Boulevards, ein Abend zum Immer-wieder-gern-Sehen.
(Mottingers Meinung)
Kein Schnickschnack, der Text ist Gerüst und Verkleidung in einem. Da liegt es an den Schauspielern, die emotionale Entwicklung von beiläufiger Freundlichkeit über spitzen Sarkasmus bishin zum finalen Showdown zu stemmen. Und das tun Michael Dangl, Susa Meyer, Marcus Bluhm und Judith Rosmair mit viel Liebe zum Detail.
Als geschäftiger Anwalt einer Pharmafirma zelebriert Dangl die desinteressierte Beiläufigkeit, mit der ein Business-Vater lästige Familienprobleme lösen will. Susa Meyer gibt die hochnäsige Annette, der früh am Abend im wahrsten Sinne des Wortes das Kotzen kommt, souverän. Judith Rosmair als öko-bewusster "Gutmensch" Veronique hält die Fassade relativ lange aufrecht, wird mit zunehmendem Alkoholkonsum jedoch auch mal unwirsch, was ihr einfach gestrickter Ehemann Michel (Bluhm) nur belächeln kann. Immer wieder verschieben sich die Allianzen. Mal verbrüdern sich die Männer gegen die Frauen, dann die Paare untereinander, nur um schließlich wieder die Lüge der eigenen Ehe zu verteidigen. Das ist oft ein Spaß und macht den Abend zu einem vergnüglichen Unterfangen.
(APA)
Die Schauspieler waten virtuos durch den Sprachmüll des oberen Meinungsbürgertums, bei der Selbsteifer und Selbstdemontage der kulturbürgerlichen Klasse streiten sie sich, versöhnen sich und nehmen sich sehr wichtig. Michael Dangl brilliert als zynischer, dauernd telefonierender Anwalt; auch Susa Meyer, Judith Rosmair und Marcus Bluhm sorgen für Heiterkeit.
(Österreich)
Michael Dangl gelingt eine gekonnt boshafte Darstellung des Anwalt-Hais Alain Reille. Auch die anderen erfüllen punktgenau die Typen: Judith Rosmair als Véronique, Marcus Bluhm als Michel , Susa Meyer als Annette...
(Kronen Zeitung)