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Kammerspiele der Josefstadt

Tracy Letts

Eine Frau - Mary Page Marlowe

Österreichische Erstaufführung

Premiere
28.03.2019

Übersetzung von Anna Opel

In Wahrheit tun Sie und ich nur so, als würde ich entscheiden, in welche Richtung sich mein Leben entwickelt. Das tu ich aber nicht. Hab ich noch nie. Für nichts davon hab ich mich entschieden. Das ist mir alles passiert, und ich hab’s mitgemacht, und ich, ich … habe keinen Einfluss genommen, ich habe den Kurs nie geändert. Wie ein Vogel. Ein Zugvogel. Ich habe nur getan, was mir richtig vorkam.

Mary Page

Nehmen wir das Beispiel der Familienfotoalben. Nur selten wird das Album gemeinsam betrachtet und kommentiert. In dieser gleichwohl günstigsten Situation nimmt der Kommentar oft nicht die Gestalt einer vollständigen, chronologisch geordneten Geschichte an. Es gibt längere oder kürzere lebhafte Kommentarsequenzen, die sich plötzlich beim Anblick eines Bildes entzünden und auf die Zuhörer abgestimmt werden. Beim individuellen, heimlichen Betrachten, das sehr viel häufiger vorkommt, verstärkt sich die Bruchstückhaftigkeit noch. Denn jedes Foto mit seinen verborgenen Erinnerungsschätzen verführt zu einer speziellen und sehr kontextabhängigen Erzählung. Tausend kleine Erzählungen folgen in allen Richtungen aufeinander. Manche fließen so langsam dahin wie geheime Träumereien. Andere sind so überschwänglich wie kecke, spielerische Selbstinszenierungen. Je abgehackter die Sequenzen sind, desto lebensnotwendiger wird das einigende Band.
Das Wichtige ist, daran zu glauben, dass man sich im Wesentlichen immer in derselben Geschichte befindet. Dass der Bruch nur eine Sache des Kulissenwechsels ist.
Jean-Claude Kaufmann, Die Identität als Erzählung

In Tracy Letts neuem Stück Eine Frau zeigt der pulitzerpreisgekrönte Dramatiker seine Protagonistin Mary Page Marlowe in elf Lebensaltern und -stadien, die gekonnt in der Zeit hin- und herspringen: als Kind, als alte Frau, als Studentin, als Mutter, als junge Ehefrau.
In Momentaufnahmen eines Lebens erzählt Letts dialogstark, was diese Frau zu der Person gemacht hat, die sie gerade ist, er zeigt, dass ein Leben nicht immer eine stringente Geschichte erzählt – und Menschen sich ändern.
Alexandra Liedtke wird dieses Leben einer Frau in ihrer vierten Regiearbeit an den Kammerspielen der Josefstadt inszenieren.

Regie
Alexandra Liedtke

Bühnenbild
Volker Hintermeier

Kostüme
Su Bühler

Musik
Karsten Riedel

Dramaturgie
Cinja Kahl

Licht
Sebastian Schubert

Mary Page Marlowe
Sandra Cervik

Louis Gilbert
Johannes Brandweiner

Wendy Gilbert
Lisa-Carolin Nemec

Lorna
Swintha Gersthofer

Connie
Gioia Osthoff

Andy
Martin Zauner

Ed Marlowe
Nikolaus Barton

Roberta Marlowe
Silvia Meisterle

Therapeut
Marcus Bluhm

Krankenschwester
Martina Ebm

Ray
Raphael von Bargen

Dan
Roman Schmelzer

Ben
Igor Karbus