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Theater in der Josefstadt
Premiere: 11.01.2024

Peter Turrini

Es muß geschieden sein

Uraufführung

ca. 1 Stunde, 40 Minuten, keine Pause

Eine Kooperation mit den Raimundspielen Gutenstein

Grad war ich noch ein Leuteerschießer und stante pede bin ich ein Hausmeister in einem Theater.

Wien im März 1848. In der Stadt erhebt sich das Volk gegen die Obrigkeit und fordert Reformen ein. Während die Aufständischen das Niederösterreichische Landhaus in der Herrengasse erstürmen, wird in einem kleinen Wiener Theater Ferdinand Raimunds Zaubermärchen Der Bauer als Millionär geprobt. Doch die realen Ereignisse nehmen Einfluss auf die Arbeit der Theatertruppe. Als dann sogar das Burgtheater aufgrund der Revolution seinen Spielbetrieb einstellen muss, steht das Theaterensemble vor der Entscheidung: weitermachen oder nicht? Kommentiert wird das Geschehen von Adam Holzapfel, dem pragmatischen Hausmeister des Theaters, im Nebenberuf Füsilierer bei den kaiserlichen Soldaten und somit für die Hinrichtungen der Aufständischen zuständig.

"Was geschieht, wenn Kunst und Wirklichkeit aufeinanderprallen?" Vor diesem thematischen Hintergrund entwirft Peter Turrini sein Stück Es muß geschieden sein und lässt die Theaterwelt Ferdinand Raimunds auf die 1848er-Revolution im Metternich’schen Wien treffen. Auf fesselnde, humorvolle, aber auch nachdenklich machende Weise erkundet der Autor, ob sein Theatercredo, "daß jeder Tragödie eine Komödie innewohnt", auch unter diesen Umständen aufrecht erhalten werden kann.

Das Auftragswerk ist so politisch wie poetisch, hat sowohl in seiner Haltung zu den gezeigten Vorgängen wie in der verzweifelten Liebe zum Theater etwas Bekenntnishaftes und gibt auch ein wenig Geschichtsunterricht.
Im März 1848 probt eine kleine Theatertruppe Ferdinand Raimunds Zaubermärchen "Der Bauer als Millionär", während das Landhaus in der Herrengasse gestürmt wird und die Kaiserlichen mit den Aufständischen in den Straßen kurzen Prozess machen. Adam Holzapfel, vom Autor als Erzähler und Verbindungsmann zum Publikum eingesetzt, kennt beide Welten: Als Füsilierer verdient er sich im Erschießungskommando sein karges Brot, als Hausmeister des Theater erliegt er dem Reiz des Bühne und dem Charme der jungen Schauspielerin Zäzilie, die ihn mit "Brüderlein fein" umgarnt. Günter Franzmeier und Johanna Mahaffy machen das ganz hervorragend.
(APA)

Die Josefstadt ist ein gesegnetes Haus: Hier wird Theater und nichts als Theater gespielt. Und zwar in dem Sinn, in dem Peter Turrini sein Handwerk stets verstanden hat: als moralische, nicht als moralisierende Anstalt, deren Ziel es ist, die Besucher um einen Deut kritischer und mitmenschlicher nach Hause zu schicken. Turrini liebt die Menschen, das offenbart sich in jedem seiner meisterhaften Dialoge. Das Auftragswerk zählt zum Besten aus dem Spätwerk des Weltdramatikers. Stephanie Mohr stellt es mit einer drastischen Warmherzigkeit, die an Dario Fo denken lässt, auf die fast leere Bühne (Miriam Busch). Das Ensemble ist wunderbar: Günter Franzmeier als Nestroy-Dämon, zum Fürchten biegsam an Leib und Charakter, kommt wie der elementare Komödiant Thomas Frank. Johanna Mahaffy rührt wundersam ans Herz, Susanna Wiegand, Michael Dangl, der eingesprungene Direktor Föttinger und alle anderen erweisen dem Anlass nichts als Ehre.
(Kronen Zeitung)

Im fast nackten Theaterraum gibt es tolle Momente, etwa zwischen Franzmeier und Mahaffy, als sich der alte Kauz von der jungen Schauspielerin mit „Brüderlein fein“ verführt fühlt (beide sind eine Freude auf der Bühne). Am Schluss schmeißt Holzapfel das Gewehr hin, und Zäzilie singt ein letztes Mal „Brüderlein fein“, ein Moment, der schief gehen könnte, aber berührend funktioniert.
(KURIER)

Ein packender, prägnanter, witziger Text. Und Sentimentalität im besten Sinn: Man spürt Turrinis Mitgefühl, sogar mit den Mächtigen. Nicht einmal der Kapitalist ist nur ein Leuteschinder. Alle sind oppotunistisch, und alle träumen vom Glück. Komisch wie tragisch.
(Die Presse)

Günter Franzmeier durchdringt seine Figur mit an exakte Körpersprache angebundenen bitteren Scherzen, abgeklärten Phrasen und Kommentaren zu den politischen Zuständen. An die Wand gespielt wird er nur von Johanna Mahaffy, die als "Zäzi" (von Zäzilie) mit Temperament und Zartheit ihre Position in der Raimund-Truppe behauptet und mit vielschichtigen Interpretationen des "Brüderlein fein" aufhorchen lässt. Susanna Wiegand ist als resolute Katharina ein Glücksfall, Michael Dangl liefert eine Charakterstudie als Wurzen, Herbert Föttinger einen reichen Tuchhändler, der Gefühle durch Geld ersetzt.
(Kleine Zeitung)

Das Turrini-Auftragswerk "Es muss geschieden sein" ergötzt und desillusioniert zugleich. Sein Stück ist weder Tragödie noch Komödie. Eher schon bildet es einen Epilog: den zarten Abgesang auf allzu optimistische Blütenträume. Franzmeier ist der Spaltpilz der Vernunft, er erinnert an den kampfeslustigen Turrini: den revolutionären Rappelkopf der 1970er und 1980er, der Figaro und Co gegenüber den parfümierten Laffen der Aristokratie handgreiflich werden ließ. Die junge Mimin Zäzilie (mit Talent gesegnet: Johanna Mahaffy) verguckt sich in den Industriellensohn Kammerlander (Julian Valerio Rehrl), der vom umtriebigen Impresario Tassié (Thomas Frank) zum Schauspieler umfunktioniert wird. Die Sache geht, mit Blick auf das welterfahrene Mädchen, nicht gut aus. Die Truppe zerfällt, und man erfreut sich prächtig-gemeiner Charakterskizzen.
(Der Standard)

Das schlichte, sich trotz Drehbühne kaum verändernde Bühnenbild – entworfen von Miriam Busch, die auch für die ziemlich perfekt der Raimund-Zeit entsprechenden Kostüme verantwortlich zeichnet – unterstützt die erst hoffnungsvolle, dann verzweifelte Stimmung des Stückes. Regisseurin Stephanie Mohr, mittlerweile wohl mit Recht die Expertin für Turrini-Inszenierungen, setzt dessen 1848er Drama einfühlsam, bewegend, berührend und mit einem insgesamt großartigen Ensemble in Szene, sodass die knapp hundert Minuten Dauer beinahe wie im Flug vergehen. Ein Turrini-Abend, den man von ganzem Herzen empfehlen kann.
(FAZ)

Günter Franzmeier überzeugt als Hausmeister Adam Holzapfel, Johanna Mahaffy als Schauspielerin Zänzi ist toll.
(Falter)

Regie
Stephanie Mohr

Bühnenbild und Kostüme
Miriam Busch

Musikalische Leitung und Komposition
Wolfgang Schlögl

Dramaturgie
Barbara Nowotny

Licht
Manfred Grohs

Adam Holzapfel, der Erzähler
Günter Franzmeier

Nepomuk Ludel, Schauspieler
Michael Dangl / Alexander Strobele

Katharina Glück, Schauspielerin
Susanna Wiegand

Zäzilie Wagner, Schauspielerin
Johanna Mahaffy

Waldemar Bunzl, Schauspieler
Alexander Strömer

Ferdinand Tassié, Schauspieler und Spielleiter
Thomas Frank

Kajetan Kammerlander sen., Tuchhändler
Herbert Föttinger / Johannes Seilern

Karl Kammerlander, sein Sohn
Julian Valerio Rehrl