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Theater in der Josefstadt
Premiere: 11.02.2026

William Shakespeare

Hamlet

ca. 2 Stunden, 50 Minuten (Pause nach ca. 80 Minuten)

Aus dem Englischen von Heiner Müller

Die Zeit ist aus den Fugen, Fluch und Gram Daß ich zur Welt sie einzurenken kam.

Als Prinz Hamlet nach Dänemark heimkehrt, ist nichts, wie es früher war. Sein Vater, der König, ist tot. Seine Mutter ist frisch vermählt mit dem Bruder ihres verstorbenen Mannes. Dieser führt die Staatsgeschäfte, entscheidet über die Zukunft von Land und Leuten. Als eines Nachts dem jungen Hamlet der Geist seines toten Vaters erscheint, der den eigenen Bruder des Giftmords beschuldigt und Hamlet zur Rache auffordert, gerät dessen Welt vollkommen aus dem Lot. Im Ringen um die Wiederherstellung von Ordnung und Gerechtigkeit kämpft Hamlet standhaft gegen ein System der Korruption, der Lüge und der Falschheit an. Steht seine Mutter noch an seiner Seite? – oder ist sie gar verstrickt in das Mordkomplott? Liebt Ophelia ihn oder spioniert sie ihn aus? Wem ist hier noch zu trauen? Hamlet zweifelt an allem und jedem und er verzweifelt mehr und mehr an sich selbst.

„Es geht um einen Riss zwischen zwei Epochen. Und in diesem Riss geht Hamlet unter.“
Heiner Müller, 1990

Dieser „Hamlet“ ist purer, packender Shakespeare – er gelingt in der Regie von Stefan Müller imponierend. Eine solche Tollkühnheit leistet man sich heute offenbar nur noch, wenn man nichts mehr zu verlieren hat: Spielen die doch glatt Shakespeare und nichts sonst! Die Aufführung ist erstklassig, und das Publikum sitzt die meisten der 165 Minuten vor Spannung auf der Sesselkante. Shakespeares geniale Dramaturgie wird perfekt, mit Atmosphäre, Ironie, toller Textarbeit und Personenführung nachgezeichnet, und das bis zum quasi uninszenierbaren Fecht- und Vergiftungsfinale (Bühne: Sophie Lux). Claudius von Stolzmann mobilisiert das Format eines großen Protagonisten. Das Königspaar Daniel Jesch und Martina Stilp, Markus Bluhms Polonius, Martin Niedermair, Dominic Oley, Tobias Reinthaller: alles beste Arbeit. Dazu zwei Pretiosen, Marcello de Nardos Totengräber und Johannes Krischs Geist. Letztgenannter als Wunder an Textbehandlung – und als Video, das hier von der Dilettantenmarotte zum sinnvollen Instrument wird.
(Kronen Zeitung)

Für seine mit gut platziertem Witz und Sound unterfütterte Inszenierung verwendet Stephan Müller eine wohlkalkulierte Strichfassung von der aus dem Jahr 1977 stammenden Übersetzung von Heiner Müller. Es greifen wiederholt projizierte Videos – eindrucksvoll umgesetzt von der renommierten Wiener Set- und Videodesignerin Sophie Lux – in das Live-Geschehen ein. Stephan Müllers Hamlet passt perfekt in unsere giftige Gegenwart: ein Erfolg.
(Der Standard)

Der Shakespeare-Klassiker aller Klassiker wird hier mit breiter Zugänglichkeit präsentiert. Anschauen lohnt. Hamlet ist in den Händen von Claudius von Stolzmann kein ätherischer Hassträumer, kein pubertierender Zornbinkel, auch keiner, der mit der ganz großen Geste in den Untergang geht. Sondern ein energiegeladener, von Worten Getriebener, der einer kaputten Welt immer wieder die Ehre abspricht, weil er es muss, und sich in diesem verzweifelt destruktiven Sprachstrudel bereits zu Beginn verloren hat.
(KURIER)

Das Gefühl für die richtige Dosis ist eine Hauptqualität dieser neuen, sehr traditionellen und doch frischen „Hamlet“-Produktion. Die Fassung ist klug verknappt. Dass diese auch musikalisch gelungen untermalte Aufführung Atmosphäre hat, verdankt sich sehr dem eleganten Bühnenbild. Äußerst zurückhaltend werden Videoprojektionen eingesetzt, sie zeigen etwa den Geist von Hamlets Vater (Johannes Krisch) und gehen durch Mark und Bein, beherrschen die Bühne: großes Schauspiel aus dem Off. Claudius von Stolzmann spielt trotz mittleren Alters sehr jugendlich den in Verzweiflung und Wahnsinn versinkenden Hamlet. Frisch und trotzig mit Intensität. Johanna Mahaffy als Ophelia erweist sich als fabelhafte, feinste Nuancen und Register fähige Darstellerin. Martina Stilp als Hamlets Mutter zeigt mehr als glaubwürdige Zerrissenheit. Marcus Bluhm schmiegt sich als Polonius auch schauspielerisch sehr wendig der Macht an. Ausgezeichnet auch Martin Niedermair unter anderem als Laertes und Rosencrantz, der Horatio des Dominic Oley, der Guildenstern des Tobias Reinthaller. Marcello de Nardo nimmt trotz einer drastisch gekürzten Friedhofsszene als Totengräber das Publikum für sich ein. Ein stil- und taktvoller „Hamlet“.
(Die Presse)

Müller hat das Stück stark gekürzt und auf einen gut gebauten Krimi reduziert. Drei rasante Theaterstunden. Eindrucksvoll sind die großformatig projizierten Videos: Die Filme erhöhen den Schauwert der Aufführung enorm. Der Geist von Hamlets Vaters (gespielt von Johannes Krisch) flackert als Schwarz-Weiß-Figur über die Bühne, geschminkt und deformiert wie Gollum aus Tolkiens „Herr der Ringe“ – ein Gruselmoment erster Güte. Ähnlich spektakulär ist das Gräberfeld gelungen: Die Projektionen verleihen der Aufführung zusätzliche erzählerische Kraft. Shakespeares 400 Jahre alter „Hamlet“ erweist sich in der entschlackten Josefstadt-Fassung als überraschend spannend. Johanna Mahaffy zeigt Ophelia als selbstbewusste, moderne Frau – der 27-jährigen Wienerin gelingen die wahrhaftigsten Momente des Abends. Für einen weiteren Höhepunkt sorgt Marcello De Nardo als schlagfertiger Totengräber: Gebannt begleitet das Premierenpublikum Shakespeares Figuren in den Untergang.
(orf.at)

Claudius von Stolzmann tobt, spottet, trauert der jeweiligen Szene angemessen. Daniel Jesch glaubt man den Wandel vom Brudermörder zum selbst erklärten Vater, nicht bloß Stiefvater, seines Neffen und dann zu dessen ärgstem Feind jederzeit. Martina Stilp verkörpert die von Trauer und Angst beherrschte Gertrud berührend. Fast möchte man mit ihr mitleiden. Für das Duell zwischen Hamlet und Ophelias Bruder Laertes haben Stolzmann und Niedermair offenbar waghalsigen Fechtunterricht genommen, lassen es auf der Bühne wunderbar klirren.
(FAZ)

Regie
Stephan Müller

Bühnenbild und Video
Sophie Lux

Kostüme
Birgit Hutter

Musikalische Leitung
Matthias Jakisic

Choreographie
Daniela Mühlbauer

Kampfchoreographie
Martin Woldan

Dramaturgie
Barbara Nowotny

Licht
Pepe Starman

Hamlet
Claudius von Stolzmann

Geist von Hamlets Vater (Video)
Johannes Krisch

Claudius
Daniel Jesch

Gertrud
Martina Stilp

Polonius / Osric / Priester
Marcus Bluhm

Laertes / Rosencrantz / Marcellus
Martin Niedermair

Ophelia
Johanna Mahaffy

Horatio
Dominic Oley

Guildenstern / Bernardo / Bote
Tobias Reinthaller

Totengräber
Marcello De Nardo

Statist
Nedim Vilic