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Kammerspiele der Josefstadt
Premiere: 14.04.2022

William Shakespeare

Was ihr wollt

ca. 2 Stunden, 20 Minuten (Pause nach ca. 70 Minuten)

Wenn es Musik ist, was die Liebe nährt, spielt weiter, immer weiter, bis zum Exzess, bis mein Verlangen nachläßt, meine Sehnsucht stirbt. Diese schmerzende Melodie noch einmal. Sie klingt nach Tod. Sie duftet giftig-süß nach Veilchen und raubt mir doch den Atem. Ach Liebe, du reißt mich in die Tiefe wie in einen Ozean.
Orsino

Shakespeare meets Tango.

Was ist ein Mann? Was ist eine Frau? Wer bin ich? Wen liebe ich?

Auf dem Weg nach Europa sinkt ein Schiff im Mittelmeer vor der Küste von Illyrien. Die gestrandete Viola verkleidet sich als Mann und wird zum Mittelpunkt einer Geschichte voller Irrsinn, Gewalt und absurder Komik, in der Irrungen und Wirrungen der Geschlechter zu einem absurd-komischen Tango der Leidenschaft und Melancholie auf der Suche nach der großen Liebe und zu sich selbst führen.

Schraubt man ein wenig an ihm herum, so kann man auch im Jahr 2022 noch herzhaft über Shakespeare lachen. Regisseur Torsten Fischer stellt mit einem modernisierten "Was ihr wollt" in den Kammerspielen der Josefstadt, das am Donnerstagabend Premiere feierte, eine absurde Verwechslungsromanze auf die Beine, die sich selbst nur an den richtigen Stellen ernst nimmt. Martin Niedermair spielt Lady Olivia als Frau, die ganz genau weiß, was sie will und Alexander Strömer gibt Maria als lustvolle und rachsüchtige Zofe, die ihrem stets besoffenen Freund Sir Toby (Robert Joseph Bartl) im Feiern in nichts nachsteht. Dafür, dass die Schauspieler die Grenze zum Faschingsklamauk nur selten überschreiten, ist man ihnen dankbar. Die einzige Frau auf der Bühne ist Maria Bill als Clown. Im Kontrast zu ihrer Rolle sorgt sie für ernste Momente, wenn sie von Geige und Akkordeon begleitet mit rauchiger Stimme Tangos des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla vorträgt. Fischer versteht es, Shakespeare zu modernisieren, ohne sich zu weit von ihm zu entfernen. Wie die Sprache scheint hier überhaupt alles buchstäblich zeitlos. Gründe zum Lachen gibt es an diesem Abend wirklich zur genüge: Flankiert von Toby und Andrew, die ihren Vorbildern Dick und Doof alle Ehre machen, überzeugt Maria in einem B-Plot den Verwalter Malvolio (Dominic Oley) etwa davon, dass Olivia am Ende gar nicht Orsino oder Cesario liebt, sondern ihn. Malvolio, durch diese Täuschung über die Grenzen des Wahnsinns hinausgetrieben, ist sich auch für Pogewackel in gelber Reizwäsche nicht zu schade. Wer sich ebenfalls darauf einlässt, wird bei "Was ihr wollt" eine Menge Spaß haben.
(APA)

Dass in den Wiener Kammerspielen (bis auf die famose Maria Bill als Narr) nur Männer auf der Bühne stehen, ist kein moderner Regieeinfall, sondern folgt Shakespeares Realität. Torsten Fischers Inszenierung (und Neuübersetzung) nutzt die sich bietende Gelegenheit, eine herrliche Drag-Komödie auf die leere, weiße Bühne zu stellen. So viel wurde bei einer Shakespeare-Aufführung schon lange nicht mehr gelacht. Gespielt wird hier ausgezeichnet. Viel Jubel.
(KURIER)

Die Josefstädter ergötzen mit "Was ihr wollt". Torsten Fischer hat aus der Komödie eine flotte Männershow gemacht. Die Premiere wurde ausgiebig bejubelt. Zu Recht. Da wird mit Geige und Akkordeon musiziert. Maria Bill singt dazu herzergreifend, und die Buben-Mädels tanzen, was das Zeug hält. Eine Glanzrolle – nein, zwei! – hat Julian Valerio Rehrl, als Zwillingspaar. Er/sie wird umschwärmt von Claudius von Stolzmann als bereits verzweifelt liebendem Orsino, von Martin Niedermair als spröd-tuntiger Olivia, von Markus Kofler als tapferem schwulen Seemann. Robert Joseph Bartl spielt einen mächtig ordinären Trunkenbold Sir Toby, der irgendwo zwischen einem Zitat von Charlie Chaplin und Oliver Hardy angesiedelt ist. Matthias Franz Stein erinnert als vertrottelter Sir Andrew an Stan Laurel. Sie harmonisieren in ihrer Ungleichheit, ergänzt durch Alexander Strömer als in Intrigen erfahrener Kammerfrau Maria. So hoch wie er/sie schmeißt keine/r beim Tanz die Beine. Geradezu explosiv entwickelt Dominic Oley die Rolle des Puritaners Malvolio.
(Die Presse)

Lachen kann man da.
Der Ulk versprüht eine eigene Poesie wirrer Frische.
(Wiener Zeitung)

Regisseur Torsten Fischer hält sich an die Usancen der Shakespeare-Zeit und besetzt sämtliche Rollen männlich. Ergo: Julian Valerio Rehrl spielt eine Frau, die sich wiederum als Mann verkleidet. Rehrl macht das nicht travestiehaft, sondern subtil, was ihn schließlich eher nonbinär erscheinen lässt und womit er allen den Kopf verdreht. Fischer inszeniert seine gemeinsam mit Herbert Schäfer deftig neu überschriebene Textfassung auf abstrakter, weißer Bühne, an deren Rampe vorne ein Schacht für schnelle Abgänge, Auftritte und Kostümwechsel dient. Zu dem vom Premierenpublikum unter fallweise gar japsendem Gelächter akklamierten Spiel setzt Fischer mit melancholisch-schmerzhaften Liedern Astor Piazzollas einen Kontrapunkt. Die Liedtexte führt der Hofnarr (Maria Bill) im Mund. Im Clownskostüm und mit dicker Schminke wandelt Bill wie eine Botin aus einem beträchtlich schwereren Leben, als es hier auf der Bühne abgeht, durch die Szene und singt etwa die Wiedergeburtshymne Rinascerò (einst von Milva interpretiert). Das tut dem handlungsantreibenden, slapstickhaften Geschehen gut. In der Verkehrung von Geschlechterrollen geht Alexander Strömer als robustes Kammermädchen Maria im getupften Kleid voran. Die Trinkgelage von Sir Toby (Robert Joseph Bartl als Oliver-Hardy-Lookalike) pariert jenes mit gepökeltem Charme. Genau da spitzt sich die Inszenierung auf spannende Fragen zu: Wer darf wen wie berühren? Was darf wer zu wem sagen? "Ich glaub, du musst mal wieder flachgelegt werden" – das klingt an einen männlichen Schauspieler adressiert schon ganz anders. Herzog Orsino (Claudius von Stolzmann) ist in Olivia (schön herrisch und nie zu draghaft im schwarzen Reifrock: Martin Niedermair) verliebt, verfällt aber Cesario/Viola. Jede Rolle bekommt ihre ganz eigene Tragik. Insbesondere auch Malvolio, der überhebliche Haushofmeister, dem übel mitgespielt wird. Er (Dominic Oley) bäumt sich am Ende auf zu einem Beleidigten und Zukurzgekommenen, dem wir irgendwann auf der Straße begegnen werden.
(Der Standard)

Torsten Fischer und Herbert Schäfer zeigen in den Kammerspielen eine brillante Neubearbeitung von Shakespeares "Was ihr wollt".
Das alles funktioniert ziemlich gut und besonders erfreulich, höchst unterhaltsam, ja, bisweilen zum Brüllen komisch. Robert Joseph Bartl und Matthias Franz Stein als extrem überzeugende Kopien von Laurel und Hardy können einige der besten Auftritte des Abends zugeschrieben werden. Zum genialen Höhepunkt des Abends wird dabei die Parodie einer zur Legende gewordenen Tanzeinlage des britisch-amerikanischen Komikerduos.
Donnernder, lang anhaltender Applaus.
(FAZ)

Spielfreudig das große Ensemble und als einzige Frau auf der Bühne die großartige Maria Bill als Clown. Im Kontrast zu ihrer Rolle sorgt sie für tiefsinnig ernste Momente, wenn sie von Geige und Akkordeon begleitet wird und mit rauchiger Stimme Tangos des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla vorträgt.
(Kronen Zeitung)

Wer hätte gedacht, dass sich im Josefstädter Ensemble derart viele herrliche Dragqueens verstecken? Auf die man noch dazu nur neidisch sein kann, weil – nackte Männerbrust hin oder her – wow, gibt es da schöne Beine zu sehen … In den Kammerspielen der Josefstadt zeigt Regisseur Torsten Fischer Shakespeares "Was ihr wollt" in (bis auf Maria Bill als melancholischem Clown) ausschließlich männlicher Besetzung. Fischers gemeinsam mit Herbert Schäfer erstellte modernisierte Textfassung sprüht nur so vor Bonmots und Pointen, ist an den passenden Stellen derb, an den richtigen elegisch. Die Darsteller scheuen mitunter auch vor tief aus der Klamottenkiste geholtem Klamauk nicht zurück, und sind in ihrem Spiel in dieser irrwitzig wortwitzigen Romantic Comedy dergestalt stark, dass selbst ein gutgetrimmter Dreitagebart der Illusion keinen Schaden zufügen kann. Und wenn’s die Helden in Strumpfhosen gar zu bunt treiben, unterbricht die Bill als Botin aus einem weniger leichten Leben in den hochemotionalsten Momenten und singt Astor Piazzola.
(Mottingers Meinung)

Regie
Torsten Fischer

Bühnenbild und Kostüme
Herbert Schäfer
Vasilis Triantafillopoulos

Dramaturgie
Herbert Schäfer

Licht
Sebastian Schubert

Musiker
Aliosha Biz/Florian Wischer, Krzysztof Dobrek

Orsino
Claudius von Stolzmann

Olivia
Martin Niedermair

Narr/Clown
Maria Bill

Malvolio
Dominic Oley

Sir Toby
Robert Joseph Bartl

Sir Andrew
Matthias Franz Stein

Viola ("Cesario") / Sebastian
Julian Valerio Rehrl

Antonio/Valentin
Markus Kofler

Curio/Maria
Alexander Strömer

Fabian
Ljubiša Lupo Grujčić

Kapitän
Tamim Fattal