Von Stephanie Mohr lustvoll inszeniert und vom Ensemble ebenso gespielt.
Was sind das für Zeiten, in denen ein Schmuckdieb mehr Abscheu erregt als einer, der im Krieg 8000 Menschen erschossen hat? Es sind die 1960er in Bad Brauning, in der holzgetäfelten Wirtsstube (schön die Bühne von Miriam Busch) füllt Günter Franzmeier dessen Rolle aus. Zwischen Leberknödeln, Ausritten ins derb Verbale und einem Teppich, der nur ausgelegt ist, damit der begriffsstutzige Kellner Zagl (toll: Claudius von Stolzmann) ins Stolpern kommt, dient sie den Leistungsträgern des Orts als Safe Space. Zwölf de facto Hauptrollen lässt die Josefstadt sich den Abend kosten, eine jede ist trefflich besetzt.
(Der Standard)
Stephanie Mohr lässt das blendende Ensemble herzhaft die Türen knallen.
(Kronen Zeitung)
Das Theater in der Josefstadt hat versucht den "Himbeerpflücker" wiederzubeleben. Hatten sie und ihr Ensemble damit Erfolg? Ja!
Stephanie Mohr scheut sich nicht, das Volkstümliche zur Schau zu stellen. Das funktioniert. Günter Franzmeier glänzt als Wirt, Bürgermeister und Multifunktionär Steißhäuptl. Umgeben ist dieser Gemeinde-Führer von Figuren, die das Dumpfe, das Böse und das Gemütliche in allen nur denkbaren Varianten mischen, bis hin zu Knallchargen. Durchaus gelungen ist das Bühnenbild von Miriam Busch.
(Die Presse)
Stephanie Mohr und dem ziemlich großartigen Ensemble gelingen zwei heitere, vor Boshaftigkeit triefende Stunden.
Günter Franzmeier verleiht dem Herrn Bürgermeister weniger Würde als vielmehr Schlitzohrigkeit und boshafte Arroganz. Wenn er sich vor dem vermeintlichen Massenmörder verbeugt, möchte man meinen, er habe wirklich kein Rückgrat. Und wenn er seinem Töchterlein - Paula Nocker verkörpert in ihrem kessen Dirndlkleid und der überaus üppigen roten Perücke die von sich selbst überzeugte Jugend der Sechziger tadellos – zuredet, sich doch mit dem "Himbeerpflücker" zu … "treffen", traut man ihm einfach alles zu. Ulrich Reinthaller als anonymer Gast, der in Wahrheit Alexander Kerz heißt und niemanden Himbeeren pflücken schickt, schafft es mit Leichtigkeit, seine Stimme in gewissen Szenen in die Nähe von Hitlers Tonlage zu bringen. Da rinnt es dann doch eiskalt den Rücken herunter. Ein überzeugender Abend, bei dem man nicht umhinkommt, so manche Parallele zur Gegenwart zu ziehen.
(FAZ)
Mit "Der Himbeerpflücker" hat das Theater in der Josefstadt eine bitterböse Satire ausgegraben, die ausgezeichnet zu seinem Ensemble passt. Unter den durchwegs erfreulichen Schauspielleistungen seien vier hervorgehoben: Günter Franzmeier als Bürgermeister und Gastwirt; Susanna Wiegand als herzerwärmend pragmatische Kellnerin Burgerl; Alexander Strömer als authentisch dialektelnder Baumeister Ybbsgruber und - der Hit des Abends: Nordrhein-Westfale Claudius von Stolzmann, der in der Rolle des Hausdieners Zagl mit Halbglatze, Klumpfuß und fast perfektem Oberösterreichisch kaum wiederzuerkennen ist.
(Falter)