Die ""politische Ibsen-Trilogie" von Regisseur David Bösch im Theater in der Josefstadt nimmt Fahrt auf. Ein Jahr nach ""Ein Volksfeind" kam gestern zur Saisoneröffnung Henrik Ibsens 1877 veröffentlichtes Schauspiel "Die Stützen der Gesellschaft" zur Premiere. Und erneut wurde schlüssig der Beweis geführt: Die Mechanismen von Wirtschaft und Gesellschaft haben sich nicht gewandelt. Es funktioniert gut weil Bösch konzentriert sich im modern-funktionalen Bühnenbild von Patrick Bannwart auf etwas, was heutzutage am Theater Mangelware geworden ist: auf Figuren und ihre Geschichten.
(APA)
Die Josefstadt demonstriert wieder einmal, welch vorzügliches, verlässliches Ensemble sie hat.
Großkaufmann Rummel von Michael König virtuos als skrupelloser Zyniker gespielt, Silvia Meisterle souverän als Karstens Frau, Michaela Klamminger spielt rundum stimmig Karstens Schwester Solveig, André Pohl verkörpert perfekt den sich im Betriebsrat engagierenden Schiffsbaumeister und Maria Köstlinger und Oliver Rosskopf erfrischen als zwei in die Stadt zurückgekehrte Verwandte. Raphael von Bargen spielt Karsten Bernick mit mitreißender Verve.
(Die Presse)
Bösch hat sich Ibsen selbst heutig mit ausgezeichnetem Ensemble zugerichtet. Er erdet Ibsen in aktueller Alltagssprache und mischt das mit nordischer Lyrik. André Pohl berührt als zum Betrug genötigter Werft-Arbeiter, Rosskopf gibt den feschen „Sympathler“ Mats als Gegenpol zu Karsten Bernick. Van Bargen darf ihn mehrdimensional schillern.
(Kronen Zeitung)
Das Ensemble spielt tadellos zusammen, aber logischerweise lenkt die Inszenierung ihr Augenmerk besonders auf Karsten Bernick. Von Bargen gelingt es mühelos, die Schwankungen in Karstens Gemüt sichtbar und vor allem glaubhaft zu machen. Ein wahrlich beklemmender Abend.
(FAZ)