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Theater in der Josefstadt
Premiere: 01.06.2024

Carlo Goldoni

Trilogie der Sommerfrische

ca. 2 Stunden, 45 Minuten (Pause nach ca. 105 Minuten)

Übersetzt von Rosemarie Still
Bearbeitet von Erik Voss

Sobald hier einer den Mund aufmacht, fällt gleich das Wort Hochzeit.

Endlich Sommer, endlich aufs Land! Auch Giacinta will der Großstadthitze entfliehen, zuvor soll sie sich allerdings noch für einen Heiratskandidaten entscheiden: Ihre Wahl fällt auf Leonardo. Auf dem Land gerät Giacinta jedoch schnell in einen Konflikt zwischen Liebe und Loyalität, denn Guglielmo, der wiederum mit Leonardos Schwester Vittoria verlobt wird, hat nun ihr Herz erobert. Doch: Was bleibt nach dieser verwirrenden Sommerfrische?

Goldonis Fähigkeit, Charakter und Sprache seiner Personen in ihrer Beziehung auf die Bühne zu bringen und dabei gleichzeitig seinem persönlichen Anspruch auf Wahrheit und Natürlichkeit gerecht zu werden, macht seine Komödien auch heute noch interessant. Mit Giacinta, einer durch und durch modernen, unabhängigen Frau, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt, hat Goldoni eine seiner faszinierendsten Frauenfiguren für die Bühne geschaffen.

Das spielt der “Josefstadt” derzeit im Hauptstadttheater niemand nach: diese elegante, unhysterische, am Text und den Schauspielern orientierte Modernität, wie sie der Regisseur Janusz Kica pflegt. Alle Macht für Goldonis Text, der die Commedia dell’arte mit Psychologie und starken Frauengestalten auflädt; und den auf großer Höhe brillierenden Schauspielern. Menschen am Aufbruch in den Urlaub, ihn dann konsumierend, dann aus ihm zurückgekehrt. Aber der Erholungswert ist gering, denn jeder trägt seinen Packen aus unerfüllbarer Sehnsucht, Lebensversagen und Egoismus. Kica löst das brillant: Die Gestalten sind durch choreografiert, rasend komisch bis zur Absurdität, aber keine ferngesteuerten Hanswurste, sondern Menschen in Bedrängnis. Nennt man unter den Schauspielern Claudius von Stolzmann, Juliette Larat, Paula Nocker, Katharina Klar, Larissa Fuchs und den auf Fellini-Höhe agierenden Marcello de Nardo, so tut man neun anderen unrecht.
(Kronen Zeitung)

Dieser Abend ist ein deutliches Lebenszeichen des Ensembletheaters an sich und ein Beweis der Güte des Josefstadt-Ensembles im Besonderen. 14 Schauspielerinnen und Schauspieler stehen auf der Bühne - und es gibt kaum einen oder eine, der oder die nicht beides beherrscht: Oberfläche und Tiefe, das Ausspielen von Pointen und ein Erahnen-Lassen der darunter schlummernden Sehnsucht. Janusz Kica inszeniert Carlo Goldonis Stück unterhaltsam und hält zwischen Komik und Tiefgang die Waage. Ausstatterin Karin Fritz das Geschehen in einen geschmackvollen Raum zwischen Abstraktion und Theater-Realität. Frauen sind hier am Drücker, werden aber nicht wirklich glücklich. Im Zentrum stehen Juliette Larat als Giacinta, die Guglielmo (Alexander Absenger) liebt, aber Leonardo (Claudius von Stolzmann) heiraten wird, und Paula Nocker als Leonardos Schwester Vittoria, die Guglielmo liebt, ihn auch bekommen wird, aber ahnt, damit nicht ihr Glück zu machen. Die beiden treiben ihre Väter (Marcus Bluhm ist ein von allen Ausgenützter, gleichzeitig aber Verachteter), Verehrer und Brüder mit ihren Launen vor sich her, während auch ihre alten (hoch komisch: Marianne Nentwich) und jungen (stets unzufrieden: Larissa Fuchs) Geschlechtsgenossinnen bei der Partnerwahl kein Glück haben. Während André Pohl als Fulgenzio ein fieser Strippenzieher ist, der bedenkenlos über andere bestimmt, Marcello De Nardo als Diener alles im Laufen hält und Martina Stilp als Constanza Intrigen spinnt, pflegt Raphael von Bargen als Filou Ferdinando vor allem seine eigene Eitelkeit. Eine auf Ehrlichkeit und Zuneigung beruhende Partnerschaft scheint nur in der Dienerschaft (Katharina Klar und Markus Kofler) möglich. Doch Kica gönnt ihnen kein Happy End. Es gibt manche Commedia-Elemente (Matthias Franz Stein absolviert etwa die obligate Klapp-Liegestuhl-Nummer) und hübsche Auftritte mittels fahrender Wand, aber auch ruhige Zweier-Szenen. Kica beherrscht den Rhythmuswechsel und lässt den dritten Akt ins Melancholische driften. Am Ende gab es viel Applaus für eine erfrischende “Sommerfrische”.
(APA)

Janusz Kica inszeniert höchst musikalisch und mit viel Gefühl. Das große Ensemble überzeugt von Beginn an. Eine entzückende Aufführung. Caudius von Stolzmann und Alexander Absenger geben als Leonardo und Guglielmo Paradebeispiele für närrische Verknallte. Die angebetete Giacinta wird von Juliette Larat mit mächtiger Herrschsucht und wachsender Melancholie gespielt. Passend macht Paula Nocker ihre Konkurrentin Vittoria voller Elan zur absurd lächerlichen Figur. Etwas weniger schräg agieren Marcus Bluhm als Giacintas bis zur Selbstaufgabe wankelmütiger Vater Filippo und Marianne Nentwich als deren tolle Tante. Raphael von Bargen verleiht Ferdinando die passende Glätte. Konträr zu dieser Witzfigur ist Filippos selbstgerechter Freund (André Pohl) angelegt. Die schönsten Kabinettstücke führen die Darsteller des Personals vor. Ach, wie vital und zugleich ein bisschen berechnend wirkt Katharina Klar als Zofe Brigida. Den von ihr begehrten Diener Paolo spielt Markus Kofler mit perfekt abgestimmten Gags. Und er kann Klavier spielen! Ja, die Musik verleiht diesem Abend Flügel und es sind die Momente, in denen Marcello De Nardo singend und in perfekt sprudelndem Italienisch mehrmals zum Star des Abends wird.
(Die Presse)

Kica kann sich in seiner ansehnlichen Inszenierung, die sich keine platten Töne leistet, auf ein vorzügliches Ensemble stützen. Die schauspielerischen Pirouetten, die es zu drehen gilt, verfügen immer über Schliff und schießen, was verlockend wäre, nie übers Ziel. Allen voran Claudius von Stolzmann. Er trägt Leonardos Liebesstress hypernervös am Leib, der immer schneller ist als er eigentlich sollte. Italienische Canzones bremsen den Reise- und Gesellschaftstrubel immer wieder ein, first class gesungen und gespielt vom Ensemble selbst. Marcello De Nardo fleht in der Rolle des gleichmütigen Dieners Cecco sein Mikrofon von weit unten an. Katharina Klar headbangt als Zofe Brigida, und Matthias Franz Stein führt seinen Charakter des debilen Nepo-Kids Tognino wie an der Leine spazieren. Weiters sorgen André Pohl, Marcus Bluhm, Martina Stilp und Larissa Fuchs für Akkuratesse in dieser Trilogie der Sommerfrische.
(Der Standard)

Es überschlagen sich die Ereignisse, garniert mit wunderbaren Slapstick. Alle im 14-köpfigen Ensemble vermögen zu begeistern.
(KURIER)

Claudius von Stolzmann gibt den ständig grantigen, eifersüchtigen, unruhigen, intriganten Leonardo mit sehr nachvollziehbarem Grimm. Und nicht zu vergessen, mit erstaunlicher körperlicher Wendigkeit. Juliette Larat balanciert ihre Giacinta gekonnt zwischen herrischer Verärgerung und verbiesterter Enttäuschung. Und Guglielmo, von Alexander Absenger überzeugend bedrohlich angelegt, soll Giacinta bloß auch nicht widersprechen.
(FAZ)

Regie
Janusz Kica

Bühnenbild und Kostüme
Karin Fritz

Dramaturgie
Silke Ofner

Licht
Manfred Grohs

Leonardo, Giacintas Verehrer
Claudius von Stolzmann

Vittoria, seine Schwester
Paula Nocker

Filippo
Marcus Bluhm

Giacinta, seine Tochter
Juliette Larat

Guglielmo, Giacintas Verehrer
Alexander Absenger

Ferdinando
Raphael von Bargen

Fulgenzio, Filippos Freund
André Pohl

Brigida, Giacintas Zofe
Katharina Klar

Paolo, Leonardos Diener
Markus Kofler

Cecco, Leonardos Diener
Marcello De Nardo

Sabina, Giacintas Tante
Marianne Nentwich

Costanza
Martina Stilp

Rosina, ihre Nichte
Larissa Fuchs

Tognino, Rosinas Verehrer
Matthias Franz Stein

Bernardino, Leonardos Onkel
Marcus Bluhm