Kritik New York Times
Eine wichtige, bewegende Inszenierung von Janusz Kica, in der eleganten deutschen Übersetzung von Daniel Kehlmann, mit einem Großaufgebot des Josefstädter Ensembles. Dieses weiß zu rühren, bis zum Schluss.
(Die Presse)
Kica hält sich an die präzisen Regieanweisungen und führt mit sicherer Hand sein Ensemble. Gespielt wird von allen glänzend: Föttinger lässt mit minimalen Gesten die Kraft seiner Figur, spüren. Das geschieht so unsentimental, so klar, dass es schmerzt. Maria Köstlinger ist ihm eine faszinierende Partnerin, überwältigend, wie sie das Leiden der an Krebs erkrankten gealterten Ehefrau darstellt. Michael Dangl ist als englischer Journalist eine Lichtgestalt, Alma Hasun besticht als Sozialdemokratin, wenn sie rührig eine rote Fahne fertigt. Joseph Lorenz zeigt mit Akkuratesse den Nazi. Raphael van Bargen macht als Überlebender die Nachwirkungen des Nazi-Terrors deutlich. Tobias Reinthaller bewegt als Stoppards autobiographische Figur Leo, um nur einige zu nennen. Sie alle tragen diesen Text, bringen ihn im leichten Konversationston zum Schweben oder lassen die Schwere, die Düsternis, die Beklemmung spüren. Janusz Kica versteht es, Stille zu inszenieren. Stücke, die unterhalten, gesellschaftlich relevant sind und unaufdringlich politisch, sind essentiell für das Theater heute. "Leopolstadt" von Tom Stoppard ist all das.
(NEWS)
Eine beeindruckende Ensembleleistung.
(KURIER)
Auf einer Couch, inmitten einer aufgeregten Kinderschar, thront die greise Clan-Mutter Emilia (Marianne Nentwich). Ihr gehören die ersten, von Daniel Kehlmann in ein perfektes Schnitzler-Deutsch übersetzten Pointen. Der unvergleichlich kakanische Tonfall der vom Leben geplagten Hofmannsthal-Schwierigen schwingt hörbar nach. Als kostbarer Sound vermengt er sich sinnfällig mit Tonspur-Überresten aus einer anderen, deutlich problematischeren Moderne.
Selten hat man Direktor Föttinger in seiner Eigenschaft als Charaktermime überzeugender gesehen, gefasster, zählederner, von hinhaltendem Widerstandswillen erfüllt.
Man möchte zahlreiche Schauspielerinnen loben: Fritz (Roman Schmelzer), der "junge Offizier", liefert eine plausible Studie freundlich verbrämten Hasses. Martina Ebm als lebenshungrige Tanzbiene des "Jazz-Age"; Joseph Lorenz als wahrhaft dämonischen, zum sittlichen Skelett abgemagerten Nazi-Schergen.
Es ist das Wiener Josefstadt-Theater, das in den vergangenen 20, 30 Jahren die größte Verwandlung unter allen Wiener Bühnen vollzogen hat: weg vom reinen Amüsierbetrieb, hin zum Serviceangebot einer Moralprüfstelle. Man will eine solche Kultur des Eingedenkens nicht mehr missen.
(Der Standard)
Der Regisseur Janusz Kica vertraut einem klaren, diskreten und doch hoch emotionalen Konversationston. Gute Schauspieler tragen den Abend durch drei leichte und todesschwere Stunden.
(Kronen Zeitung)
Was ein Aufwand! Sir Tom Stoppards großes Geschichtsdrama strotzt vor Rollen und historischen Verwicklungen. Wahrhaft vorpandemisches Theater über das Schicksal einer jüdischen Großfamilie, für die deutschsprachige Erstaufführung übersetzt von Daniel Kehlmann. Janusz Kica macht daraus eine Inszenierung passgenau für die Josefstadt.
Das funktioniert schon alles sehr gut. Gekonnt geschriebene und übersetzte Dialoge bündeln die Publikumsaufmerksamkeit. Kehlmanns Deutsch flutscht und fühlt sich wohl im Munde dieser psychologischen Salonspieler:innen. Das hätte nicht einmal Dr. Freud (der im Stück natürlich auch erwähnt wird) so anschaulich machen können.
(nachtkritik.de)