Herbert Föttinger

Schauspieler, Künstlerischer Direktor, Regisseur

Herbert Föttinger

© Jan Frankl

Biografie

Herbert Föttinger, geboren 1961 in Wien, nahm nach der Matura privaten Schauspielunterricht bei Peter P. Jost und gründete im Alter von 16 Jahren eine Jugendtheatergruppe im Waldviertel. Ab 1984 spielte er am Städtebundtheater im deutschen Hof an der Saale, am Landestheater Detmold (1985–1987), am Stadttheater Hildesheim (1987–1988), am Schauspielhaus Graz (1988–1990) und am Wiener Volkstheater (1990–1993).

1993 wurde Herbert Föttinger Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt und seit September 2006 ist Herbert Föttinger künstlerischer Leiter des Theaters in der Josefstadt.

Der Schauspieler

1993 hatte Hergert Föttinger am Theater in der Josefstadt sein Debüt in der Rolle des Alfred in "Geschichten aus dem Wiener Wald".

Es folgten weitere zahlreiche Hauptrollen wie zum Beispiel:
Jaromir in Hofmannsthals "Der Unbestechliche", 1995
Serge in "KUNST", 1996
Oberst Stjerbinsky in "Jacobowsky und der Oberst", 1997
Flottwell in Raimunds "Der Verschwender", 1999
Sigismund in Calderóns "Das Leben ein Traum", 1999
Don Juan in Frischs "Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie", 2000
Jean in "Fräulein Julie", 2001
Benedikt in "Viel Lärm um Nichts", 2002
Gregers in "Die Wildente", 2002
Liliom in Molnárs "Liliom", 2003
Rappelkopf in "Der Alpenkönig und der Menschenfeind", 2003
Mackie Messer in "Die Dreigroschenoper", 2004
Torvald Helmer in "Nora", 2005
Vicomte de Valmont in "Gefährliche Liebschaften", 2007
Friedrich Hofreiter in "Das weite Land", 2010
Antonio Salieri in "Amadeus", 2011
Benjamin Rubin in "Der Mentor" / eine UA von Daniel Kehlmann, 2012
Sigmund Freud in der UA "Eine dunkle Begierde" von C. Hampton, 2014
Georges in "La Cage aux Folles", 2015
Horace Giddens in "Die kleinen Füchse", 2016
Gustav Schröder in "Die Reise der Verlorenen", 2018
Johannes in "Rosmersholm", 2019

Zurzeit ist Herbert Föttinger im Theater in der Josefstadt in den Rollen
Oberst Stjerbinsky in "Jacobowsky und der Oberst", Professor Bernhardi in "Professor Bernhardi" und als Johannes in "Rosmersholm" und ab April 2020 als Gustav Heink in "Das Konzert" zu sehen.

Insgesamt spielte Herbert Föttinger bisher in 55 Produktionen im Theater in der Josefstadt bzw. in den Kammerspielen der Josefstadt.

Weiters verkörperte er von 2008 bis 2016 Professor Higgins in "My Fair Lady" an der Volksoper Wien.

Der Regisseur

Regie/Schauspiel:
Neben seinem Engagement an der Josefstadt realisierte er eigene Produktionen ("Talk Radio" im Jahr 1995, "Die Bernfeld-Revue" im Jahr 1996) und engagierte sich regelmäßig für gesellschaftskritische Projekte wie z.B. "Schlussstrich" (Reden österreichischer Politiker über die Judenfrage) oder "Künstler an der Macht".

Seit der Spielzeit 2004/05 führt Herbert Föttinger regelmäßig Regie an der Josefstadt. Sein Josefstadt-Debüt war Nestroys "Kampl" mit Helmuth Lohner und Otto Schenk.
Weitere Inszenierungen folgten, wie zum Beispiel:
"Das vierte Gebot" von Ludwig Anzengruber, 2005
"Mein Nestroy" von Peter Turrini, 2006
"Der Diener zweier Herren" von Peter Turrini /Goldoni, 2007
"Nächstes Jahr - gleiche Zeit" von Bernard Slade, 2007
"Buddenbrooks" von John von Düffel/Thomas Mann, 2008
"Halpern & Johnson" von Lionel Goldstein, 2008
"Der blaue Engel", 2009
"Geschichten aus dem Wiener Wald" von Ödön von Horvath, 2012
"Der Mentor" von Daniel Kehlmann, 2012
"Endlich Schluß" von Peter Turrini, 2012
"Aus Liebe" von Peter Turrini, 2013
"Die Schüsse von Sarajevo" von Milan Dor, 2014
"Anatol" von Arthur Schnitzler, 2015
"Niemand", eine UA von Ödön von Horváth, 2016
"Heilig Abend" von Daniel Kehlmann, 2017
"Fremdenzimmer" von Peter Turrini, 2018
"All About Eve" von Christopher Hampton, 2018

Regie/Oper:
Im Frühjahr 2013 inszenierte er am Theater an der Wien "Fidelio", seine erste Opernregie; 2015 folgte "La mére coupable", ebenfalls dort.
Am Gärtnerplatztheater in München inszenierte Herbert Föttinger 2017 die Oper "Don Giovanni" und 2020 "Rigoletto".

Fernsehen/Moderation
Fernsehfilme u.a.: "Angst vor der Idylle" (Regie: Götz Spielmann)
"Ein glücklicher Tag" (Regie: Paul Henge)
"Altes Geld" (Regie: David Schalko)

Im Mai 2018 moderierte Herbert Föttinger gemeinsam mit Conchita Wurst unter dem Motto "Sound of Music" den Wiener "Life Ball".

Der Direktor

Erst- und Uraufführungen
Seit der Direktion von Herbert Föttinger wurden im Theater in der Josefstadt und in den Kammerspielen bisher 53 Uraufführungen und 28 Erstaufführungen (österreichische, deutschsprachige bzw. europäische) gezeigt. Somit hat Herbert Föttinger im Laufe seiner bisherigen Direktion die beiden Theater als erste Uraufführungshäuser in Wien etabliert. Nicht umsonst wird das Theater in der Josefstadt bereits als „Österreichisches Nationaltheater“ bezeichnet. Zahlreiche Autoren wie Peter Turrini, Felix Mitterer, Daniel Kehlmann, Thomas Arzt, David Schalko u.a. wurden damit beauftragt, Stücke für die beiden Häuser zu schreiben.

Theater in der Josefstadt wird generalsaniert
Mit der Generalrenovierung des Theaters in der Josefstadt stand 2007 ein historisches Großereignis auf dem Spielplan. Das 185 Jahre alte Theater wurde zum ersten Mal seit über 80 Jahren von Grund auf renoviert, bühnen- und sicherheitstechnisch aufgerüstet und unter Berücksichtigung aller denkmalpflegerischen Auflagen an heutige Besucheransprüche und bühnentechnische Anforderungen angepasst. Von der Klimatisierung des Zuschauerraumes bis zur Verbesserung der Sitzplatzqualität wurde in den Komfort und die Sicherheit unserer Besucher investiert. Die Erneuerungen auf und hinter der Bühne - für den Zuschauer meist unsichtbar - ermöglichen unserem künstlerischen Team nun die Arbeit unter zeitgemäßen Bedingungen. Zudem wurden alle öffentlichen Räume sowie die Fassade des Theaters renoviert und restauriert; bis Ende 2008 wurden weitere Arbeiten an der Probebühne, im Zuschauerraum und in den Arbeitsräumen des technischen und künstlerischen Personals abgeschlossen.

Finanziert wurde dieses Großprojekt zu zwei Drittel von unseren Subventionsgebern Republik Österreich und Stadt Wien. Ein Drittel des Finanzierungsvolumens wurde durch das Theater selbst aufgebracht und durch die großzügige Unterstützung von Spendern und Donatoren ermöglicht.

Neue Probebühne der Josefstadt
Dank einer großzügigen Spende der Familie Pühringer konnte im Zuge der Generalrenovierung der Josefstadt im Jahr 2008 eine Probebühne errichtet werden.

Dafür wurde auf dem Dach der Sträußelsäle eine neue, hochmoderne Fläche in den Originalmaßen der Bühne der Josefstadt geschaffen. Durch diesen Zubau konnten jährliche Kosten, verursacht durch die Anmietung von externen Proberäumen, eingespart und dem aufwendigen Transport von Requisiten und Kostümen ein Ende gesetzt werden. Mit einer variablen Bestuhlung bis zu 99 Plätzen bewährt sich die Probebühne auch als Veranstaltungsort für Theaterproduktionen und Feierlichkeiten.

Generalrenovierung der Kammerspiele der Josefstadt
Die Kammerspiele strahlen seit ihrer feierlichen Wiedereröffnung mit "Catch Me If You Can" am 24. Oktober 2013 in neuem Glanz: in nur fünfmonatiger Bauzeit konnte ein schwer sanierungsbedürftiges, veraltetes Theater in ein modernes, zukunftsorientiertes Haus verwandelt werden und dabei seine Identität und seinen Charme behalten.

Die baulichen und technischen Mängel waren derartig gravierend, dass sichere Arbeitsabläufe nur unter strengen Kontrollen und mit großem personellem und organisatorischem Aufwand möglich waren. Auch die künstlerische Entwicklung der Kammerspiele war durch die veraltete, zu kleine Bühne und die mangelhafte technische Infrastruktur massiv behindert. Eine Renovierung des Hauses war die einzige Chance, modernen künstlerischen Anforderungen und heutigen Zuschauerbedürfnissen gerecht zu werden und ein notwendiger Schritt, um die Zukunft dieses traditionsreichen Theaters zu sichern!

70 Prozent der Generalsanierungskosten konnten durch private Geldgeber und Spenden-Aktionen finanziert werden. Bund und Stadt Wien trugen 30 Prozent der Renovierungskosten.

Probebühne Aspern
Im Sommer 2014 konnte mit dem Umbau des ehemaligen Dekorationsfundus in Aspern eine weitere Probebühne für das Theater in der Josefstadt realisiert werden.

Bis zuletzt war mit der Anmietung von externen Proberäumen ein hoher Kostenaufwand verbunden, zusätzlich erschwerten lange Anreisewege und stets unterschiedliche räumliche Bedingungen den Probenalltag enorm. Nun steht dem künstlerischen Personal ein eigener, moderner Proberaum mit den Originalmaßen der Josefstadt-Bühne und einer Drehbühne zur Verfügung.

Ein Teil der Umbaukosten konnte unserem Investitionsfond entnommen werden; zu einem Großteil verdanken wir die Finanzierung der Probebühne jedoch der großzügigen Unterstützung zahlreicher Förderer dieses Hauses.

Generalrenovierung der Werkstätten
Das Theater in der Josefstadt verfügt mit den Abteilungen Tischlerei, Schlosserei, Tapeziererei und dem Malersaal über exzellente hauseigene Werkstätten, in denen jährlich um die 14 vollständige Bühnenbilder sowie zahlreiches Mobiliar und Requisiten produziert werden. Der zentrale Standort in unmittelbarer Nähe des Theaters birgt enorme organisatorische und logistische Vorteile, zudem gilt es, diese wichtigen und kreativen Arbeitsplätze zu sichern.

Für einen modernen Werkstattbetrieb bot die seit 1966 sukzessive gewachsene Struktur jedoch viel zu enge Platzverhältnisse und war in der Bausubstanz sowie hinsichtlich der Sicherheitsbestimmungen restlos veraltet.

Nach einer lediglich dreimonatigen intensiven Umbauphase konnte die Generalrenovierung unserer Werkstätten im Jahr 2016 erfolgreich abgeschlossen werden. Die großzügige Unterstützung unserer Donatoren und die tatkräftige Mithilfe aller MitarbeiterInnen ermöglichte es, diese einzigartige Infrastruktur zu erhalten, die Räumlichkeiten zu erweitern und zu modernisieren sowie die Arbeitsbedingungen für die MitarbeiterInnen einem zeitgemäßen Standard entsprechend zu verbessern.

Ehrungen

1998 erhielt er den Wiener Schauspielerring
Am 16. Februar 2012 wurde ihm der Titel Kammerschauspieler verliehen
Im Dezember 2016 wurde ihm der Johann-Nestroy-Ring der Stadt Bad Ischl zuerkannt

Privat

Herbert Föttinger ist mit der Schauspielerin Sandra Cervik verheiratet, sie haben einen Sohn.